Kurzdefinition
Backcrossing überträgt eine einzelne Zieleigenschaft vom Donor-Genotyp in den genetischen Hintergrund eines Recurrent Parent (RP), dessen Eigenschaften möglichst vollständig wiederhergestellt werden sollen.
Wissenschaftliche Beschreibung
Theoretische vs. tatsächliche RP-Wiederherstellung
| Generation | Theoretisch | Tatsächlich (Q10) |
|---|---|---|
| BX1 | 75,00 % | 67,4 % |
| BX2 | 87,50 % | ~82 % |
| BX3 | 93,75 % | ~91 % |
| BX4 | 96,875 % | ~95 % |
Hintergrund Q10-Diskrepanz: Cannabis hat ein relativ großes Genom (~800 Mb) mit variablen Rekombinationsraten. Die theoretischen 75 % gelten für unendlich viele, gleichmäßig kartierte Marker — in der Praxis ist die Effizienz geringer. Mit MAB (Background-Selektion) kann die tatsächliche Effizienz wieder an die Theorie herangeführt werden.
3-Ebenen-Selektion im MAB
Ebene 1: Phänotypisch (Wuchsform, Blütezeit, Trichome)
Ebene 2: Foreground-Marker (Bestätigung Zielgen = Zieleigenschaft vorhanden)
Ebene 3: Background-Marker (Auswahl der Pflanzen mit maximalem RP-Anteil)
MAB mit ≥3 Background-Markern erreicht 97 % RP-Wiederherstellung in 3 BX-Generationen — 1–2 BX-Generationen früher als ohne Marker-Selektion.
Praxisbeispiel: PM2-Resistenz (Echter Mehltau)
Echter Mehltau (Golovinomyces sp.) ist eine bedeutende Krankheit im Cannabis-Anbau. Seifi 2025 identifizierte den PM2-Resistenzlocus auf Chr 9 — ein natürlicher QTL in resistenten Landrassen.
MAB-Protokoll für PM2: 1. Donor × RP → BC1F1 → Foreground-Selektion (PM2-Marker) + Phänotyp-Test 2. BC1F1 × RP → BC2F1 → Background-Selektion (HASCH-Panel) 3. BC3F1 = ~93,75 % RP-Hintergrund + PM2-Resistenz intakt
Kein bekannter Resistenzmarker für HLVd (Hop Latent Viroid) — manche Kultivare zeigen reduzierte Symptome, jedoch kein genomischer Resistenzlocus identifiziert.
Cannabis-Community: "Cubing"
Der Begriff "Cubing" entspricht dem BX3 (3× Rückkreuzen) in der Cannabis-Community. Nach 3 Generationen gilt ein Genotyp als "etabliert" und phänotypisch dem RP gleichwertig.
Inzuchtkoeffizient im Backcross
F → 0,5 in BX-Linien (wiederholte Kreuzung mit RP hält Heterozygotie aufrecht). Erst zusätzliches Selfing (S1) nach BX erhöht F in Richtung 1,0 → "feminisierte BX-Linien" sind BX + S1 und tragen sowohl RP-Hintergrund als auch erhöhte Homozygotie.
S1 + BX-Kombination
BX + S1 erzeugt feminisierte Linien mit hohem RP-Anteil → Kompromiss zwischen Sortenstabilität (Homozygotie durch S1) und genetischem Hintergrund (BX-Wiederherstellung). Erhöhter Inzuchtdepressionsrisiko verglichen mit F1-Hybridansatz.
Anbau-Relevanz
Anbau-Relevanz noch nicht dokumentiert.