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Bestäubung und Befruchtung

REVIEW Mechanismus Laienrelevanz: hoch

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Pollination Anemophile Bestäubung Fertilisation Cannabis

Kurzdefinition

Cannabis ist windbestäubt (anemophil) und zweihäusig (diözisch). Erfolgreiche Bestäubung führt zur Samenbildung und reduziert den Cannabinoidgehalt erheblich — weshalb der samenlose Anbau (Sinsemilla) für Wirkstoffproduktion entscheidend ist.

Wissenschaftliche Beschreibung

Blütenbiologie

Männliche Pflanze: Produziert Staubblätter mit Antheren, die Pollen freisetzen. Pollen sind sehr leicht (ca. 25 µm Durchmesser) und können Hunderte Kilometer durch die Luft transportiert werden. Primäre Windbestäubung; Insekten sekundär.

Weibliche Pflanze: Pistill mit zwei Narben (bifide Stigmata), die mit klebrigen Trichomen bedeckt sind, um Pollen aufzufangen. Das Gynözeum ist im Calyx (Kelchblatt) eingeschlossen, umgeben von Brakteen mit dichten kapitatgestielten Trichomen.

Pollenbiologie und -transport

  • Pollen-Freisetzung: Antheren öffnen sich bei niedriger relativer Luftfeuchtigkeit (<50 %)
  • Lebensfähigkeit: In frischem Zustand 24-72 h; tiefgefroren (−20 °C) bis 12 Monate
  • Transportdistanz: Windbedingt bis >100 km dokumentiert — kritisch für Outdoor-Isolation
  • Schädlichkeits-Schwelle: Bereits wenige Pollen je Narbe reichen für vollständige Befruchtung

Doppelte Befruchtung

Cannabis zeigt die für Angiospermen typische doppelte Befruchtung:

  1. Pollenkorn keimt auf Narbe → Pollenschlauch wächst durch Griffel in Samenanlage
  2. Spermium 1 + Eizelle → diploide Zygote → Embryo
  3. Spermium 2 + zwei Polkerne → triploider Endosperm → Nährgewebe für Embryo

Samenentwicklung und Cannabinoid-Konkurrenz

Bei Befruchtung verlagert die Pflanze Ressourcen (Zucker, Aminosäuren, Isoprenoid-Präkursoren) in die Samenentwicklung. Gleichzeitig sinken: - Trichom-Dichte und Sekretion - CBGA-Synthase-Aktivität - Gesamtcannabinoidgehalt um typisch 30-70 %

Sinsemilla (span.: ohne Samen) ist daher der Standard für medizinischen und Genussanbau.

Hermaphroditismus als Kontaminationsquelle

Gestresste Weibchen können durch Lichtlecks, Hitzestress oder mechanische Schäden Zwitter-Blüten (hermaphroditische „Bananen"/Staminodien) entwickeln, die unbefruchtete Pflanzen im Grow kontaminieren. Genetisch prädisponierte Sorten haben höhere Hermaphroditismus-Neigung.

Anbau-Relevanz

  • Männliche Pflanzen früh entfernen: Präblütige Geschlechtserkennung (BBCH 15-17, Stipeln) vor Pollenfreisetzung
  • Isolation: Outdoor-Sinsemilla erfordert >500 m Abstand zu anderen Cannabis-Pflanzen oder vollständige physische Trennung
  • Pollenverwendung (Züchtung): Pollen bei −20 °C lagern, Wassergehalt ≤8 % (mit Trockenmittel)
  • Hermaphroditismus-Prävention: Gleichmäßige Lichtzyklen, kein Stress, stabile Umgebungsbedingungen

Verwandte Begriffe

  • dioezie-monoezie — zwei- vs. einhäusig
  • pollen-antheren — Pollenproduktion und -struktur
  • samen-aufbau — Embryo, Endosperm, Samenschale
  • praebluetige-geschlechtserkennung — Früherkennung männlicher Pflanzen
  • hermaphroditismus — Staminodien, Stressauslöser
  • sts-feminisierung — Feminisierte Samen über STS-Behandlung

Quellen

  • Small E & Naraine SGU (2016): Genet Resour Crop Evol. DOI:10.1007/s10722-015-0254-2
  • Mandolino G & Carboni A (2004): Euphytica. DOI:10.1023/B:EUPH.0000014866.90572.4d

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. PMID
  2. Size matters: evolution of large drug-secreting resin glands in elite pharmaceutical strains of Cannabis sativa L. Genet Resour Crop Evol (2016) DOI
  3. Faegri K & Van der Pijl L (1979): Principles of Pollination Ecology. Pergamon Press. (1979)
  4. Potential of marker-assisted selection in hemp breeding. Euphytica (2004) DOI

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