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Botrytis & VPD-Prävention

REVIEW Term Laienrelevanz: hoch

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Grauschimmel-Prävention Botrytis cinerea VPD Bud Rot Prävention RH-Botrytis-Risikokurve

Botrytis & VPD-Prävention

Kurzdefinition

Botrytis cinerea (Grauschimmel, Bud Rot) ist der destruktivste Cannabis-Blütepathogen: Sporulation optimal bei RH > 70–75 % und T 17–24°C; dichte Colas erzeugen interne Mikro-Klimata mit +10–20 % RH über Raumwert; VPD ≥ 1,0–1,2 kPa im Blüteraum und aktive Luftzirkulation auf Kronendachniveau sind die primären Präventionsstrategien; Mahmoud et al. (2023) charakterisierten die Schaderreger-Umwelthülle auf Cannabis-Inflorescenzen.

Wissenschaftliche Beschreibung

Botrytis cinerea — Biologie und Cannabis-Pathogenese: B. cinerea ist ein Ascomycet (Grauschimmel, Teleomorf: Botryotinia fuckeliana). Infektionskette: 1. Sporenausbreitung: Konidien (12–18 µm Durchmesser) werden durch Luftströmungen/Wasser verteilt 2. Keimung: Benötigt freie Oberflächenfeuchtigkeit oder RH > 90–95 % direkt an der Blattoberfläche (Grenzschicht-RH) 3. Penetration: Eindringen durch Wunden, Stomata, natürliche Öffnungen; Pektinase- und Cellulase-Sekretion → Zellwandabbau 4. Wachstum: Optimum T 17–22°C, RH > 70 %; aggressivster Befall bei kühlen, feuchten Bedingungen 5. Sporulation: Grauer Sporenpelz (Konidien) sichtbar nach 24–48 h Wachstum; weitere Sporenausbreitung

Umwelthülle von Botrytis auf Cannabis (Mahmoud et al. 2023): Mahmoud et al. (2023) untersuchten B. cinerea auf Cannabis-Inflorescenzen unter kontrollierten Bedingungen und fanden: - Optimale RH: > 70–75 % (Sporulation), > 90 % (Keimung) - Optimale Temperatur: 17–24°C - Progression: Bei RH > 90 % und 20°C entwickelt sich sichtbarer Schimmel inner 24–48 h - Cannabis-Spezifik: Dichte Cola-Innenräume bieten idealen Schutzraum (hohe RH, niedrige Luftbewegung, nekrotisches Gewebe als Eintrittspforte)

Mikroklima-Problem in dichten Colas: Raumwert VPD = 1,2 kPa (RH ~55 % bei 25°C) ≠ Cola-Innen-VPD. Transpiration der inneren Blätter + mangelnde Luftzirkulation im Colainneren → interne RH 70–85 %, während Sensor 55 % anzeigt. Deshalb: VPD-Raumwert ist notwendig aber nicht ausreichend; aktive Luftzirkulation durch/unter Kronendach ist entscheidend.

VPD-Zielwerte für Botrytis-Prävention:

Blütephase VPD Ziel RH bei 25°C Botrytis-Risiko
BBCH 51–65 (früh, locker) ≥ 0,9 kPa ≤ 60 % Niedrig
BBCH 65–75 (mittel, verdichtet) ≥ 1,0 kPa ≤ 57 % Mittel
BBCH 75–89 (spät, sehr dicht) ≥ 1,2 kPa ≤ 52 % Hoch (ohne Prävention)
Nacht (Temperaturabfall) ≥ 0,8 kPa ≤ 60 % Kritisch!

Nacht-VPD-Management — kritischste Phase: Wenn Licht ausgeht: T sinkt 3–5°C → bei gleicher absoluter Luftfeuchte steigt RH automatisch um 10–15 %: - Beispiel: Tag 25°C/58 % RH → VPD = 1,16 kPa (gut); Nacht 21°C/73 % RH → VPD = 0,66 kPa (kritisch, Botrytis-Risiko!) - Lösung: Nacht-Temperatur ≥ 19–20°C halten (Nachtminimum); und/oder Entfeuchter als nächtliche Feuchtigkeitskontrolle

Integrierte Botrytis-Prävention:

Maßnahme Mechanismus Wirksamkeit
VPD ≥ 1,0–1,2 kPa (Raum) Gesamtluftfeuchtigkeit unter Keimungsschwelle Hoch
Aktive Luftzirkulation Abbau Cola-Mikroklimat; Grenzschicht-VPD normalisiert Sehr hoch
Lollipopping/Defoliation Kronendach-Öffnung → bessere Luftzirkulation Hoch
Nacht-Entfeuchtung VPD-Erhalt bei Temperaturabfall Hoch
Prophylaktische MeJA-Behandlung JA-Priming → ERF1/ORA59 → PDF1.2 → Defensinbarriere Mittel
Bacillus subtilis (QST713) Biocontrol → Sporulation-Hemmung Mittel
Mechanische Selektion Befallene Buds sofort entfernen (Schnitt-Sterilisation!) Notfall

JA/ET-Abwehrweg gegen Botrytis: B. cinerea ist ein Nekrotrophes Pathogen → JA/ET-Abwehrweg primär (nicht SA). JA+ET → ERF1/ORA59 → PDF1.2 (Defensin, antimikrobiell) + Chitinase. MeJA-Prophylaxe 1–2 Wochen vor Blüteeinleitung → JA-Priming → schnellere Aktivierung der Abwehr. SA-Behandlung (BTH) kontraindiziert bei Botrytis-Risiko (SA hemmt JA → schwächere Nekrotrophen-Abwehr; vgl. JA-SA-Antagonismus).

Erntezeitpunkt-Botrytis: In Hochrisikowetterlagen (Herbst-Outdoor, feuchte Perioden): Botrytis-Risiko-Kalkulation vs. Reifezustand abwägen. Frühere Ernte (10–15 % Amber-Trichome) kann wirtschaftlich besser sein als vollständig ausreifen mit 30 % Ausfallrisiko durch Botrytis.

Biologische Auswirkungen

  1. Direkte Zerstörung: Botrytis zerstört Blütengewebe within 24–48 h; befallene Colas nicht zu retten (Sporenpelz = massive Kontamination)
  2. Mykotoxine: B. cinerea produziert Botrytiskreatin und andere Mykotoxine — kontaminiertes Material nicht konsumieren; Lebertoxizität
  3. Wirtschaftlicher Verlust: 20–50 % Ernteverlust bei unbehandeltem Ausbruch in dichter Blüte

Anbau-Relevanz

  • Tägliche Blüten-Inspektion: Ab BBCH 65 → Blüten auf erste Anzeichen (Einzelner grauer Fleck, weiche braune Stellen) untersuchen
  • Sofortentfernung: Ersten Befall im Keim ersticken: Befallene Knospe in Plastikbeutel (nicht ins Grow-Umfeld fallen lassen → Sporenfreisetzung!), sofort versiegelt entfernen, Schnittinstrument sterilisieren
  • Luftzirkulation > VPD-Monitoring: Selbst optimaler Raum-VPD schützt nicht, wenn Cola-Innenmikroklima unkontrolliert bleibt → Luft in/unter Kronendach zirkulieren
  • Mythos: "Hohe VPD reicht allein" — nein; dichte Colas brauchen zusätzlich mechanische Luftbewegung durch/unter das Kronendach

Verwandte Begriffe

  • vpd — VPD-Definition und Zielwerte
  • luftbewegung — Luftzirkulation als Hauptschutz
  • ja-sa-antagonismus — JA-Abwehr gegen Nekrotrophe (Botrytis)

Quellen

  • Mahmoud M et al. (2023) Can J Bot 101. DOI: 10.1139/cjb-2022-0139
  • Corredor-Perilla IC et al. (2025) Front Plant Sci. PMID: 12666426. DOI: 10.3389/fpls.2025.1678142

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Can J Bot 101:xxx (2023) DOI
  2. Front Plant Sci (2025) DOI PMID

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