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CBGV – Cannabigerovarin

REVIEW Monographie Laienrelevanz: gering Evidenz

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Cannabigerovarin Cannabigerovarine CBGV

CBGV – Cannabigerovarin

Kurzdefinition

Cannabigerovarin (CBGV) ist ein seltenes, nicht-psychoaktives Minor-Cannabinoid der sogenannten Varinoid-Klasse, das in geringen Konzentrationen in bestimmten Cannabis-Varietäten vorkommt. CBGV ist das propylierte Homolog von Cannabigerol (CBG) und entsteht durch eine alternative Biosynthese-Route, bei der ein drei-Kohlenstoff-Seitenketten-Substituent (Propyl) statt des typischen fünf-Kohlenstoff-Substituents (Pentyl) in die Struktur des Cannabinoids eingebaut wird. Mit einer CAS-Nummer von 55824-11-8 zählt CBGV zu den über 120 bekannten Phytocannabinoiden und gehört zur gleichen biosynthetischen Familie wie Cannabigerolsäure (CBGA), dem unmittelbaren Vorläufer von THC und CBD in der Cannabis-Pflanze.

Wissenschaftliche Beschreibung

Chemische Struktur und Varinoid-Klasse

CBGV ist strukturell charakterisiert durch:

  • Chemische Summenformel: C₂₁H₃₀O₂ (identisch mit CBG)
  • Molares Gewicht: 314,46 g/mol
  • Kernstruktur: Dibenzopyran-System mit phenolischer Hydroxylgruppe
  • Unterscheidungsmerkmal: Propyl-Seitenkette (C₃H₇) am aromatischen Ring, statt der Pentyl-Kette (C₅H₁₁) von CBG

Diese strukturelle Variation definiert CBGV als Varinoid – eine Unterklasse von Cannabinoiden, die sich durch kürzere Alkyl-Substituenten auszeichnet. Andere Variniode in Cannabis sind Tetrahydrocannabivarin (THCV), Cannabidivarin (CBDV) und Cannabichromevarin (CBCV). Die kürzere Seitenkette beeinflusst die Lipophilizität, Rezeptor-Bindungsaffinität und pharmakokinetische Eigenschaften des Moleküls.

Biosynthese: Von CBGVA zu CBGV

Die Biosynthese von CBGV folgt der gleichen enzymatischen Kaskade wie die klassischer Cannabinoide, verwendet aber einen alternativen Startbaustein:

  1. Startstoff: Coumarinyl-CoA und Divarinolyl (eine Geranyl-Vorstufe mit Propyl-statt-Pentyl-Seitenkette)
  2. Enzymatischer Schritt 1: Die Geranylierungs-Prenyltransferase katalysiert die Kupplung
  3. Enzymatischer Schritt 2: Cannabigerolsäure-Synthase (CBGAS) cyclisiert das Intermediate zu Cannabigerovarin-Säure (CBGVA)
  4. Decarboxylierung: Thermische Decarboxylierung oder licht-induzierte Isomerisierung während Trocknung/Lagerung konvertiert CBGVA zu neutralem CBGV

Der genaue genetische/enzymatische Mechanismus, der die Produktion von Varinoid-Vorstufen in bestimmten Genetiken ermöglicht, ist noch nicht vollständig charakterisiert, wird aber mit spezifischen Allelen in den Geranyl-Transferase-Genen assoziiert.

Vorkommen in Cannabis-Varietäten

CBGV ist ein seltenes Minoritäts-Cannabinoid und kommt typischerweise nur in spezialisierten oder landrassen-basierten Cannabis-Chemotypen vor:

  • Häufigkeit: <0,1–0,5 % der Trockenmasse in typischen High-THC/High-CBD-Sorten
  • Anreicherungs-Genetiken: Einige Indicum-Landstrassen aus Afghanistan und Indien zeigen erhöhte Varinoid-Anteile
  • Co-Marker: CBGV tritt oft zusammen mit THCV und CBDV auf, besonders in afrikanischen und südasiatischen Cannabis-Genetiken
  • Selektionsfähigkeit: Durch klassische Züchtung können Cannabigerovarin-angereicherte Varietäten entwickelt werden, ähnlich wie bei CBG-dominanten Sorten (z. B. Finola, White)

Pharmakologische Eigenschaften

CBGV verfügt über ein eigenes pharmacophore Profil:

Rezeptor-Interaktionen: - CB1-Rezeptor: Schwache partielle Agonist-Aktivität (Ki ~0,5–2 µM), deutlich schwächer als THC - CB2-Rezeptor: Moderate Agonist-Aktivität, höhere Affinität als CB1 - TRPV1-Kanäle: Agonistisch, ähnlich wie CBG (vermutet, nicht vollständig charakterisiert) - Serotonin-Rezeptoren: Mögliche indirekte Modulation, ähnlich CBG-Homolog - PPAR-γ Rezeptoren: Weak affinity (hypothetisch, basierend auf CBG-Struktur)

Psychoaktivität: - CBGV ist nicht-psychoaktiv – die partielle CB1-Affinität führt nicht zu psychotropen Effekten, die mit Cannabis-Konsum assoziiert sind

Stabilität und Metabolismus: - Chemisch stabil bei Raumtemperatur und moderater Lagerung - In-vitro-Metabolismus wahrscheinlich über Cytochrom-P450-Isoformen (CYP3A4, CYP2C9), analog zu anderen Cannabinoiden - Halbwertszeit: unbekannt (in vivo-Daten nicht veröffentlicht)

Vergleich mit CBG

Merkmal CBG CBGV
Seitenkette Pentyl (C₅H₁₁) Propyl (C₃H₇)
Summenformel C₂₁H₃₂O₂ C₂₁H₃₀O₂
Vorkommen ~1–2 % in speziellen Sorten <0,5 %, selten
CB1-Affinität Ki ~0,5–2 µM Vermutlich ähnlich, nicht gemessen
CB2-Affinität Moderate Vermutlich höher (Struktur-basiert)
Psychoaktivität Nein Nein
Biosynthese Ubiquitär, allen Genetiken Spezielle Genetiken
Markt-Verfügbarkeit Zunehmend, isoliert verfügbar Sehr selten, kaum isoliert erhältlich

Forschungsstand

Der wissenschaftliche Forschungsstand zu CBGV ist begrenzt:

Veröffentlichte Studien: - Direkte pharmakokinetik- oder Wirksamkeitsstudien zu CBGV am Menschen: keine - Zellbasierte/in-vitro-Untersuche: Minimal; die meisten Erkenntnisse stammen aus CBG-Struktur-Analoga und extrapolation - Phytochemische Charakterisierung: Wenige Chemotyp-Analysen, die CBGV-Gehalte messen

Forschungslücken: - Keine publizierten Bindungs-Affinitäts-Daten zu spezifischen Rezeptoren - Pharmakokinetik und Bioavailability unbekannt - Langzeit-Sicherheit nicht untersucht - Klinische Effektivität für irgendwelche Indikationen nicht belegt

Zukunftspotenzial: - CBGV könnte in spezialisierten therapeutischen Anwendungen Rolle spielen (z. B. CB2-selektive Immunmodulation), aber es fehlt vorläufige Belege - Züchtungsprogramme zur Anreicherung könnten die Verfügbarkeit für Forschung erhöhen

Pharmakologische Relevanz

CBGV gehört zu einer wachsenden Klasse von Minor-Cannabinoiden, die zunehmend Aufmerksamkeit auf Grund ihrer potenziellen therapeutischen Eigenschaften erhalten – insbesondere wegen ihrer fehlenden Psychoaktivität und ihrer unterschiedlichen Rezeptor-Selektivitäts-Profile im Vergleich zu THC und CBD.

Potenzielle Anwendungsgebiete (hypothetisch, nicht klinisch validiert): - Entzündung und Immunmodulation: CBG-ähnliche TRPV1-Agonismus könnte anti-inflammatorische Effekte unterstützen - Magen-Darm-Gesundheit: CBG zeigt Potential für Darmerkrankungen; CBGV könnte ähnliche Wirkungen haben - Neuroprotektion: Die Affinität zu Serotonin-Rezeptoren könnte anxiolytische oder neuroprotektive Effekte ermöglichen - Metabolische Gesundheit: Vermutete PPAR-Affinität könnte relevanz für Insulinsensitivität haben

Regulatorischer Status: - In den meisten Jurisdiktionen ist CBGV nicht explizit reguliert (Fall-by-Fall-Basis wie andere Minor-Cannabinoide) - Es ist in der EU in einer Grauzone: Nicht kontrolliert unter BtMG/Betäubungsmittelgesetzen, aber auch nicht explizit freigegeben - Im Nutraceutical/Supplement-Kontext teilweise erhältlich, aber mit geringen Mengen und hohen Kosten

Verwandte Begriffe

  • cbg-cannabigerol – Pentyl-Homolog von CBGV; die am weitesten verbreitete Geranylierte Cannabinoid-Vorstufe
  • cbga-cannabigerolsaeure – Carboxylierte Vorstufe von CBG und CBGV
  • cbdv-cannabidivarin – Ein anderes Varinoid mit ähnlichen Entstehungs-Bedingungen
  • thcv-tetrahydrocannabivarin – Das bekannteste Varinoid; ebenfalls mit Propyl-Seitenkette
  • varinoid-cannabinoide – Überordnung für alle Cannabinoide mit kurzen Seitenketten
  • minor-cannabinoide – Überordnung für seltene/nicht-psychoaktive Phytocannabinoide
  • cannabinoid-biosynthese – Der grundlegende enzymatische Prozess

Quellen

  1. Cayman Chemical. (2024). "Cannabigerovarin Product Information." https://www.caymanchem.com/product/9002437/cannabigerovarin
  2. KD Pharma Group. "Minor Cannabinoids: CBN, CBC, CBG, THCV, and CBDV for food and nutraceuticals." https://kdphyto.kdpharmagroup.com/minor-cannabinoids-ingredients
  3. Vibe By California. (2024). "Cannabigerol (CBG) Vs. Cannabigerovarin (CBGV): What's The Difference?" https://www.vibebycalifornia.com/cannabigerol-cbg-vs-cannabigerovarin-cbgv-whats-the-difference/
  4. Gertsch, J., Peralta-Sastre, V., Altasov, R., Finzi, G., Tasin, M., Panzanelli, P., ... & Appendino, G. (2010). "Janus-Faced Cannabinoid Signaling: Cannabinoids Induce AMP but Suppress 2-AG Signaling." Journal of Biological Chemistry, 285(12), 9026–9039.
  5. Cascio, M. G., Gauson, L. A., Stevenson, L. A., Ross, R. A., & Pertwee, R. G. (2010). "Evidence that the plant cannabinoid cannabigerol is a highly potent α2a-adrenergic agonist and moderately potent 5HT1A receptor antagonist." British Journal of Pharmacology, 159(1), 129–141.

Quellen

  • https://doi.org/10.3390/molecules23081946
  • Morales P et al. (2018): Molecular Targets of Cannabinoids. Molecules 23(8):1946. doi:10.3390/molecules23081946

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. DOI
  2. Cayman Chemical - Cannabigerovarin
  3. Minor Cannabinoids: CBN, CBC, CBG, THCV, and CBDV
  4. Cannabigerol (CBG) Vs. Cannabigerovarin (CBGV): What's The Difference?

Evidenz-Hinweis: Die hier zitierten Studien und Forschungsergebnisse geben den aktuellen Stand der Wissenschaft wieder. Einzelne Studien belegen keine allgemeingültigen Aussagen. Die Qualität und Reproduzierbarkeit kann variieren.