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Ethylen-Signalweg

REVIEW Term Laienrelevanz: niedrig

Stand: 2026-06-19

Synonyme: ETR1/CTR1/EIN2/EIN3-Kaskade Ethylen-Derepressionsmodell ETH-Signaltransduktion

Ethylen-Signalweg

Kurzdefinition

Der Ethylen-Signalweg folgt einem Derepressionsmodell: ER-lokalisierte Histidinkinase-Rezeptoren (ETR1/ERS) aktivieren im Grundzustand den negativen Regulator CTR1, der EIN2 phosphoryliert und inaktiviert; Ethylen inaktiviert die Rezeptoren, CTR1 fällt aus, EIN2 wird prozessiert und translokiert ins Nukleus, wo es EIN3/EIL1-Transkriptionsfaktoren stabilisiert.

Wissenschaftliche Beschreibung

Rezeptoren — ETR1-Familie: Fünf Ethylenrezeptoren in Arabidopsis, unterteilt in: - Typ I (ETR1, ERS1): drei Transmembrandomänen; intakte Histidinkinase-Domäne; höhere Signalstärke - Typ II (ETR2, EIN4, ERS2): vier Transmembrandomänen; degenerierte Histidinkinase; geringere Signalstärke

Alle Rezeptoren sind ER-membranlokalisiert und binden Ethylen über einen Cu⁺-Cofaktor (geliefert durch RAN1/CTR1-ATPase). Ag⁺ (aus STS/Silbernitrat) verdrängt Cu⁺ kompetitiv → Rezeptor kann kein Ethylen binden, bleibt konstitutiv inaktiv → kein Signal möglich → CTR1 inaktiv → EIN3/EIL1 stabil → ERF-Gene aktiv (aber ohne Ethylen-Ligand → paradoxer Effekt: Ag⁺-Blockade simuliert "Ethylen-Abwesenheit"-Signal, aber der Weg verhält sich wie "Ethylen vorhanden" wegen fehlender Rezeptoraktivierung).

CTR1 (CONSTITUTIVE TRIPLE RESPONSE 1): Raf-ähnliche Ser/Thr-Proteinkinase; assoziiert mit den Ethylenrezeptoren. Ohne Ethylen: CTR1 durch Rezeptoren aktiviert → CTR1 phosphoryliert EIN2 (N-Terminus) → EIN2 inaktiv. ctr1-Verlustmutanten: TRIPLE RESPONSE auch ohne Ethylen (konstitutive Signalaktivierung).

EIN2 (ETHYLEN INSENSITIVE 2): NRAMP-ähnliches Membranprotein (ER); N-Terminus: Transmembrandomänen (ER-Anker); C-Terminus: zytosolisch. CTR1 phosphoryliert den C-Terminus an mehreren Stellen → EBF1/2 (F-Box-Proteine) erkennen phosphorylierten C-Terminus → EIN3/EIL1-Abbau. Mit Ethylen: CTR1 inaktiv → EIN2 dephosphoryliert → Protease spaltet C-Terminus ab → EIN2-CEND translokiert in den Nukleus (Qiao et al. 2012) und stabilisiert EIN3/EIL1 durch Hemmung von EBF1/2-mRNA-Translation.

EIN3/EIL1 → ERF: EIN3 und EIL1 sind Transkriptionsfaktoren, die ERF1-Promotor binden und ERF (ETHYLENE RESPONSE FACTOR)-Gene aktivieren. ERF-Gene steuern die diversen Ethylenantworten: ERF1/ORA59 (Pathogenabwehr, in Kooperation mit JA), ERF2 (Stressantwort), ERF4 (Seneszenz). EIN3/EIL1 werden konstitutiv durch EBF1/2 (SCF^EBF1/2-E3-Ligase) abgebaut (ohne Ethylen) → bei Ethylen: EIN2-CEND hemmt EBF1/2-mRNA-Translation (Qiao et al. 2012).

Interaktion mit GA-DELLA (Crosstalk): EIN3/EIL1 interagieren mit DELLA-Proteinen (GA-Repressoren): GA → DELLA-Abbau → EIN3/EIL1 freigesetzt → verstärkte Ethylenantwort. Umgekehrt stabilisiert Ethylen EIN3, das DELLA-Interaktionspartner beeinflussen kann → molekulare Basis des GA-Ethylen-Crosstalk bei Geschlechtsexpression (bioRxiv 2026).

Biologische Auswirkungen

  • TRIPLE RESPONSE (diagnostischer Phänotyp): Apikalhaken (schützt Meristem im Boden) + Hypokotylverkürzung (weniger Streckung) + Radialexpansion (dickeres Hypokotyl); in Cannabis bei Keimlingen unter starker Ethylenexposition
  • Pathogenabwehr: EIN3/EIL1 + MYC2 → ERF1/ORA59 → PDF1.2 (JA/ET-Synergie bei nekrotropher Abwehr)
  • Seneszenz: EIN3/EIL1 → ERF4 → SAG12-Aktivierung → Chlorophyllabbau

Anbau-Relevanz

  • STS vs. Silbernitrat: Beide blockieren ETR1 über Ag⁺, aber STS ist systemisch mobiler (Silberthiosulfat-Komplex wird phloem-transportiert) und weniger phytotoxisch als ionisches Ag⁺ (Silbernitrat kann lokale Nekrosen erzeugen)
  • 1-MCP: Kompetitiver Antagonist aller 5 Rezeptoren; irreversible Bindung (24–48 h Blockade); bei Ernte oder Trocknung sinnvoll; nicht für Wachstumsphase geeignet (hemmt alle ET-Antworten inkl. Abwehr)
  • Kupfermangel: Cu⁺-Cofaktor im ETR1 nötig → extremer Cu-Mangel → ETR1-Dysfunktion → Ethylen-Überempfindlichkeit (Rezeptoren ohne Cu lassen CTR1 inaktiv → Signal konstitutiv "an")
  • Mythos: "Silbernitrat und STS wirken identisch" — STS ist systemisch mobil und erzeugt höchste Pollenausbeute auf weiblichen Pflanzen; Silbernitrat ist nur am Applikationsort wirksam und kann Gewebeschäden verursachen; für feminisierte Samenproduktion STS bevorzugt

Verwandte Begriffe

  • ethylen — Ethylen-Überblick
  • acc-synthase — Biosynthese-Vorläufer
  • ethylen-geschlechtsexpression — EIN3/EIL1-DELLA-Knotenpunkt
  • della-proteine — GA-ET-Crosstalk

Quellen

  • Binder BM (2020) J Exp Bot 71:5113–5118. PMC7261785. DOI: 10.1093/jxb/eraa175
  • Ju C et al. (2012) PNAS 109:19486–19491. PMID: 23132950. DOI: 10.1073/pnas.1214848109
  • Qiao H et al. (2012) Science 338:1592–1595. DOI: 10.1126/science.1224053

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Binder (2020) DOI: 10.1093/jxb/eraa175 PMID: 32319549 PMC7261785 (2020) DOI PMID
  2. Ju et al. (2012) DOI: 10.1073/pnas.1214848109 PMID: 23132950 (2012) DOI PMID
  3. Qiao et al. (2012) PMID: 23132950 (2012) PMID

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