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Hanföl Kaltgepresst

REVIEW Laienrelevanz: mittel

Stand: 2026-06-21

Hanföl Kaltgepresst – Premium-Speiseöl aus Nutzhanf

Hanföl, wissenschaftlich als Cannabis sativa Samenöl bekannt, ist eines der wertvollsten Pflanzenspeiseöle überhaupt. Das aus den Samen des Nutzhanfs (Cannabis sativa) gewonnene Kaltpressöl besticht durch sein einzigartiges Fettsäureprofil und seine wertvollen Inhaltsstoffe. Im Gegensatz zu häufigen Verwechslungen mit ätherischem Hanföl oder THC-haltigem Cannabisöl ist Hanföl ein vollkommen legales, psychoaktiv unwirksames Speiseöl, das in der modernen Ernährung zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Definition und Unterscheidung von Hanfprodukten

Hanföl kaltgepresst wird ausschließlich aus den Hanfsamen gepresst und darf nicht mit anderen Hanfprodukten verwechselt werden. Hanfsamen enthalten keine nennenswerten Mengen an Tetrahydrocannabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD) – anders als das Harz der Hanfpflanze. Die Wissenschaftler Leizer, Ribnicky, Poulev, Dushenkov und Raskin haben in ihrer Publikation im Journal of Nutraceuticals, Functional & Medical Foods (doi.org/10.1300/J133v02n04_04) die Zusammensetzung von Hanfsamenöl umfassend analysiert und sein Potenzial als wichtige Nährquelle dokumentiert.

Ätherisches Hanföl hingegen wird durch Destillation aus Blättern und Blüten gewonnen und besitzt ganz andere Eigenschaften. Haschischöl oder Cannabisöl ist ein stark THC-haltiger Extrakt mit psychoaktiver Wirkung. Reines Hanföl aus Kaltpressung ist dagegen ein legales Lebensmittel mit maximal 50 mg/kg Tetrahydrocannabinol – deutlich unter jeder relevanten Grenze und ohne Rauschwirkung.

Herstellung durch schonende Kaltpressung

Die Qualität von Hanföl kaltgepresst hängt entscheidend von der Herstellungsmethode ab. Der Prozess beginnt mit der schonenden Ernte der Hanfpflanzen, die zur Faserngewinnung dienen – Hanfsamen sind dabei ein wertvolles Nebenprodukt. Nach der Ernte werden die Samen vorsichtig geschält, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu bewahren. Die feste Schale der Hanfsamen schützt normalerweise den Kern vor Umwelteinflüssen wie Sauerstoff und Sonnenlicht.

Bei der Kaltpressung liegt die Presstemperatur zwischen 40 °C und 60 °C – deutlich unter der Temperatur von Warmpressen. Diese moderate Wärmezufuhr ist entscheidend, da höhere Temperaturen die wertvollen Fettsäuren, Vitamine und sekundären Pflanzenstoffe zerstören würden. Der Ölertrag beträgt bei einem durchschnittlichen Ölgehalt von 30 bis 35 % etwa 180 bis 350 Liter pro Hektar. Der verbleibende Presskuchen (Hanfkuchen) ist proteinreich und wird zu Proteinpulver verarbeitet oder als Futtermittel verwendet – ein nachhaltiger Prozess ohne Abfallprodukte.

Fettsäureprofil und ernährungsphysiologischer Wert

Das Fettsäurespektrum von Hanföl kaltgepresst ist außergewöhnlich ausgewogen und macht es zu einem ernährungsphysiologisch hochwertigem Öl. Der Großteil (über 70 %) besteht aus ungesättigten Fettsäuren – eine Zusammensetzung, die viele andere Speiseöle nicht erreichen:

  • Linolsäure (Omega-6): 50–60 % – eine essenziell wichtige mehrfach ungesättigte Fettsäure
  • α-Linolensäure (Omega-3): bis 25 % – von großer physiologischer Bedeutung
  • γ-Linolensäure (Omega-6): bis 4 % – selten in Speiseölen und wertvoll für den Körper
  • Stearidonsäure (Omega-3): 0,5–1,5 % – wird vom Körper in EPA umgewandelt
  • Ölsäure (Omega-9): 10–15 % – einfach ungesättigte Fettsäure mit stabiler Struktur
  • Gesättigte Fettsäuren: 8–13 % – ein niedriger Anteil, der gesundheitsförderlich ist

Das Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von etwa 2:1 bis 3:1 gilt als optimal für die menschliche Gesundheit und unterstützt entzündungshemmende Prozesse im Körper. Dies ist ein großer Vorteil gegenüber vielen anderen pflanzlichen Ölen, die deutlich schlechtere Verhältnisse aufweisen.

Neben den Fettsäuren enthält Hanföl kaltgepresst auch hochwertige Begleitstoffes: Tocopherole (insbesondere γ-Tocopherol) bis 80 mg/100g, Phytosterine in Mengen von 3,6–6,7 g/kg, Chlorophylle und Carotinoide. Diese Substanzen entstehen durch das schonende Pressverfahren und geben dem Öl seine charakteristische grün-gelbliche Färbung und seinen krautigen, grün-nussigen Geschmack.

Lagerung, Haltbarkeit und sensorische Eigenschaften

Hanföl kaltgepresst hat eine Haltbarkeit von mindestens 60 Wochen, wenn es luftdicht verschlossen und dunkel bei kühler Temperatur gelagert wird. Die oxidative Empfindlichkeit ist höher als bei stabileren Ölen, daher sollte eine luftdichte Lagerung in dunklen Behältnissen gewährleistet sein. Die Oxidationsstabilität beträgt 1,3–2,5 Stunden – ein Wert, der die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen unterstreicht.

Der Rauchpunkt des Öls liegt bei etwa 165 °C, was bedeutet, dass es nicht zum Braten oder Frittieren geeignet ist. Bei höheren Temperaturen zerfallen die wertvollen ungesättigten Fettsäuren, und das Öl verliert seine gesundheitlichen Vorteile. Unbedenklich ist die Verwendung beim Dünsten und Dämpfen bei moderaten Temperaturen. Der charakteristische nussig-krautige Geschmack macht Hanföl ideal für kalte Anwendungen wie Salatdressings, Marinaden, Soßen und Brotaufstriche.

Kulinarische und gesundheitliche Anwendungen

Hanföl kaltgepresst findet in der modernen Küche zunehmend Verwendung. Sein nussiger Geschmack bereichert Salatdressings, kalte Soßen und Marinaden. Aufgrund des niedrigen Rauchpunktes sollte es jedoch nicht zum Erhitzen verwendet werden – es ist ein Öl für die kalte Küche. Ein bis zwei Esslöffel täglich deckt einen signifikanten Teil des täglichen Bedarfs an essentiellen Fettsäuren.

Die ausgewogene Fettsäurenverteilung mit hohem Omega-3- und Omega-6-Gehalt unterstützt zahlreiche Körperfunktionen. Das Omega-3-zu-Omega-6-Verhältnis fördert einen ausbalancierten Entzündungsstoffwechsel, was sich positiv auf Herz-Kreislauf-Gesundheit, Nervenfunktion und Gelenkgesundheit auswirken kann. Die enthaltenen Tocopherole wirken als natürliche Antioxidantien und schützen die Zellen vor oxidativem Stress.

Industrielle und kosmetische Anwendungen

Jenseits der Küche wird Hanföl kaltgepresst in vielen Industrien genutzt. In der Kosmetikindustrie findet es unter der INCI-Bezeichnung CANNABIS SATIVA SEED OIL Verwendung in Massageölen, Salben, Cremes, Seifen und Shampoos. Seine hautpflegenden Eigenschaften sind auf die essentiellen Fettsäuren und die Begleitstoffes zurückzuführen, die Haut- und Haarstruktur unterstützen.

In der Dermatologie wird Hanföl zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen eingesetzt und hilft bei Entzündungen der Ohren, Nase und des Rachens. Als technisches Öl dient Hanföl in der Industrie als Rohstoff für die Erzeugung von biologisch abbaubaren Reinigungsmitteln, Emulgatoren, Lösungsmitteln und Tensiden. Seine hohe Gleitfähigkeit macht es auch wertvoll für Druckertinte, Farben und Lacke sowie Holzschutzmittel und Schmiermittel.

Nachhaltige Produktion und Zukunftsperspektiven

Hanföl kaltgepresst ist ein Produkt nachhaltiger Landwirtschaft. Da der industrielle Hanfanbau primär der Faserngewinnung dient, sind die Samen und damit das Öl ein wertvolles Nebenprodukt, das früher oft ungenutzten blieb. Moderne Verfahren nutzen die gesamte Pflanze – Fasern, Samen und der proteinreiche Presskuchen finden alle Verwendung.

Die Renaissance von Hanföl in Europa und weltweit ist ein Phänomen der letzten 30 Jahre. Nach der weltweiten Prohibition von Hanf Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Nutzung dieser vielseitigen Pflanze vergessen. Seit den 1990er Jahren werden die Möglichkeiten wiederentdeckt und teilweise legalisiert. Heute wird Hanföl in Frankreich, China und Chile in bedeutsamen Mengen produziert. Die globale Nachfrage nach naturbelassenem, nährstoffreichem Speiseöl treibt eine wachsende, nachhaltige Hanfölproduktion voran – ein positives Zeichen für eine ressourceneffiziente Landwirtschaft.


Letzte Aktualisierung: 2026-06-16

Quellen

  1. Hempseed as a nutritional resource. Euphytica 140:65-72 (2004) DOI
  2. Hemp Varieties and Registration in the EU. Ind Crops Prod 154:112620 (2020) DOI
  3. Cannabis sativa: The Plant of the Thousand and One Molecules. Front Plant Sci 7:19 (2016) DOI

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