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LST (Low-Stress-Training, Auxin-Umverteilung)

REVIEW Term Laienrelevanz: hoch

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Low Stress Training Cannabis Tie-Down Methode Cannabis Auxin-Umleitung durch Biegung

LST (Low-Stress-Training, Auxin-Umverteilung)

Kurzdefinition

LST biegt Sprosse horizontal → Gravistimulus → PIN-Protein-Reorientierung → Auxin-Umverteilung → Apikaldominanz geschwächt → gleichmäßige Canopy. Geringes Risiko, reversibel, kein Gewebeschaden. Mechanistisch gut belegt durch PIN-Forschung und Canalisation-Hypothese.

Wissenschaftliche Beschreibung

Mechanismus: Gravistimulus und PIN-Reorientierung

LST-Biegung (horizontale Ausrichtung)
  ↓ Gravistimulus
  ↓ Amyloplast-Sedimentation (Statolithenzellen)
  ↓ PINOID-Kinase → asymmetrische PIN-Phosphorylierung
  ↓ PIN3/PIN1 reorientieren lateral (Unterseite)
  ↓ Auxin akkumuliert auf Unterseite des Sprosses
  ↓ Basipetaler Auxin-Strom geschwächt
  ↓ BRC1-Repressor in Seitenknospen entlastet
  → Seitentriebe treiben aus (gleichmäßig belichtete Kolbenstellen)

Canalisation-Hypothese und BRC1

Canalisation-Hypothese: Auxin-Fluss im Hauptspross konkurriert mit Auxin-Exportwegen aus Seitentrieben. BRC1-Transkriptionsfaktor reprimiert direkt PIN3 in Knospen → verhindert eigenen Auxin-Exportstrom der Seitentriebe.

LST schwächt den Hauptspross-Auxin-Strom → Knospen können eigene Kanalisierung etablieren → Austritt aus Dormanz.

PIN-Dynamik: Reversibilität und Notwendigkeit konsistenter Impulse

Wichtig: PIN-Polarität ist dynamisch und reversibel (endozytotisches Trafficking reguliert durch Phosphorylierung). Bei Entfernung des Training-Impulses: → PIN-Proteine reorientieren zurück → Hauptspross-Auxin-Strom re-etabliert → Apikaldominanz kehrt teilweise zurück.

Konsequenz: LST erfordert konsistentes Training (regelmäßiges Neuausrichten nach Pflanzenwachstum) für dauerhafte Wirkung.

Auxin-PIN-Rückkopplung (Selbstverstärkung)

Auxin beeinflusst PIN-Polarität und -Trafficking → Selbstverstärkungs-Schleife (Nature Communications 2024): Auxin-Umverteilung durch LST verstärkt sich zunächst selbst, bis neues Gleichgewicht erreicht. Dies erklärt warum LST nach anfänglichem Biegen effektiver wird.

Licht-Gleichmäßigkeit als zweiter Effekt

LST erzwingt horizontalere Blattverteilung → reduziert Selbstbeschattung: - Untere/mittlere Blätter erhalten mehr PPFD - Photosyntheserate pro Pflanzenfläche ↑ - Mehrere Hauptcolas auf identischer Höhe → gleichmäßige PPFD → gleichmäßige Blütenqualität

Anbau-Relevanz

  • Kein Gewebeschaden: LST ideal für Ersteinsteiger und bei stresssensiblen Genetiken.
  • Regelmäßiges Nachführen: Jede Woche in der Vegetationsphase → Triebe neigen zurück zu vertikaler Wachstumsrichtung.
  • LST + Topping synergetisch: Topping entfernt Apikalspitze, LST verteilt Seitentriebe gleichmäßig → zusammen effektiver als jede Methode allein.

Verwandte Begriffe

  • supercropping-knuckle — HST als höherinvasive Alternative
  • topping — Topping als komplementäre Technik
  • scrog-methodik — ScrOG als systematisiertes LST

Quellen

  • New Phytologist nph.17617: PIN-Mediated Polar Auxin Transport Regulations in Plant Tropic Movements
  • PMC10231355: Auxin-Independent Effects of Apical Dominance (Zucker-Signal)
  • Nature Communications s41467-024-54240-y: Auxin-PIN-Rückkopplungsschleife (Selbstverstärkung)

Quellen

  • https://doi.org/10.3390/horticulturae8020107
  • Rodriguez-Morrison V et al. (2022): Cannabis training techniques. Horticulturae 8(2):107. doi:10.3390/horticulturae8020107

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. DOI
  2. New Phytologist nph.17617 — PIN-Mediated Polar Auxin Transport Regulations (Gravistimulus)
  3. PMC10231355 — Auxin-Independent Effects of Apical Dominance
  4. Nature Communications s41467-024-54240-y — Auxin-PIN-Rückkopplung Selbstverstärkungsschleife

Hinweis: Die Inhalte dienen ausschließlich der sachlichen Bildung und Information. Keine Werbung für Cannabis i.S.d. §6 KCanG.