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pH und Nährstoffverfügbarkeit in Cannabis

REVIEW Term Laienrelevanz: hoch

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Truog-Kurve Lindsay-Schwab-Diagramm pH-Drift H₂PO₄⁻ HPO₄²⁻ pH-Optimum Cannabis

pH und Nährstoffverfügbarkeit in Cannabis

Kurzdefinition

Der Substrat-pH ist die einflussreichste Einzelvariable für Nährstoffverfügbarkeit in Cannabis sativa. Die klassischen Truog-Kurven und Lindsay-Schwab-Diagramme zeigen, dass maximale Verfügbarkeit für die meisten Nährstoffe zwischen pH 5,5 und 6,5 liegt — darüber fallen Fe, Mn, Zn und Cu als unlösliche Hydroxide aus; darunter werden Al und Mn toxisch. Phosphor zeigt eine besondere pH-Abhängigkeit über seine Ionenspeziation (H₂PO₄⁻ vs. HPO₄²⁻).

Wissenschaftliche Beschreibung

Das Truog-Lindsay-Schwab-Grundprinzip

Die Beziehung zwischen pH und Nährstofflöslichkeit wurde von Truog (1946) kodifiziert und in Lindsay-Schwab-Diagrammen präzisiert. Grundprinzip: Die meisten Nährstoffe erreichen maximale Pflanzenverfügbarkeit bei pH 5,5–6,5, mit unterschiedlichen Ausfallmechanismen bei extremen pH-Werten:

Bei pH <4,5: - Al³⁺ und Mn²⁺ werden toxisch löslich - Ca, Mg, K werden von Austauschstellen ausgewaschen - Microben-Aktivität sinkt

Bei pH >7,5: - Fe, Mn, Zn, Cu als Hydroxide/Carbonate ausgefällt - B als Ca-Borat ausgefällt - P als Ca-Phosphat (Apatit) ausgefällt

Phosphor-Speziation: H₂PO₄⁻ vs. HPO₄²⁻

Phosphor zeigt ein charakteristisches bimodales Verfügbarkeitsmuster: - pH 5,5–6,8: P überwiegend als H₂PO₄⁻ (monobasisches Phosphat) — die Pflanzen bevorzugte Form für PHT1-Transporter; ca. 10x kinetisch zugänglicher als HPO₄²⁻ - pH 6,8–7,2: Deprotonierung zu HPO₄²⁻ (dibasisches Phosphat) — ca. 10x weniger verfügbar - pH >7,5: Ausfällung als Ca-Phosphate (Apatit, Hydroxylapatit) → praktisch nicht verfügbar

Hartes Wasser (Ca/Mg-Bicarbonat-reich) treibt pH nach oben und verstärkt P-Lockout durch zusätzliche Ca-Phosphat-Fällung.

Optimale pH-Bereiche für Cannabis je System

Anbausystem Optimaler pH-Bereich Bemerkung
Erde/Organisch 6,0–7,0 Höheres Puffervermögen; Mikroben puffern pH
Soil-less Mix (Torf/Perlite) 5,5–6,5 Truog-Standard; obere Grenze für H₂PO₄⁻
Coco Coir 5,8–6,2 Eigene K⁺-Freisetzung verschiebt pH
Hydrokultur (rezirkulierend) 5,5–6,0 Engster Bereich; pH-Dosierung automatisiert
NFT / DWC 5,5–6,0 Keine KAK-Pufferung → schnelle Drift

Emerald Harvest identifiziert pH 5,8–6,3 als „sweet spot" für Cannabis-Hydrokultur.

pH-Drift: Ursachen und Korrektur

pH-Senker: - NH₄⁺-Aufnahme → H⁺-Freisetzung ins Rhizosphäre - Mikrobielle Nitrifikation (NH₄⁺ → NO₃⁻ produziert H⁺) - CO₂ aus Wurzelatmung → H₂CO₃ → Azidierung - Organische Säuren aus Wurzelexsudaten

pH-Heber: - NO₃⁻-Aufnahme → OH⁻/HCO₃⁻-Freisetzung - Wasser-Alkalinität (Ca/Mg-Bicarbonat resistent gegen Azidierung) - Evaporation ohne Auffüllung → Salzkonzentration + pH-Anstieg

Korrekturen: - Sauer: Phosphorsäure (Blüte-neutral) oder Salpetersäure (N-additiv im Veg) - Basisch: Kaliumhydroxid (KOH) oder Kaliumbicarbonat (KHCO₃) - Automatisierung: Dosiermaschinen (pH-Dosatoren) halten pH innerhalb ±0,1 — Standard in kommerziellen Betrieben

pH und Fe-Verfügbarkeit: Extrembeispiel

Fe-Löslichkeit fällt ~100-fach pro pH-Einheit über 5,5. Bei pH 6,5: Fe-Konzentration theoretisch 10⁻¹⁰ mol/L; bei pH 7,5: ~10⁻¹⁷ mol/L — weit unter Pflanzenbedarf. Chelat-Fe (EDDHA, DTPA) umgeht Ausfällung durch komplexgebundenen Transport.

Ausnahme: Molybdän

Mo ist pH-invers: MoO₄²⁻ (Molybdat) löst sich bei alkalischem pH besser, bei saurem schlechter. Mo-Mangel daher primär in sauren Substraten (<5,0).

Biologische Auswirkungen

  • pH 5,8–6,2 (Hydro): Alle Makronährstoffe + meisten Mikronährstoffe optimal verfügbar
  • pH >6,5: Fe/Mn-Chlorosen in neuen Blättern; P-Lockout (HPO₄²⁻ dominiert); Zn/Cu-Ausfällung
  • pH <5,5: Al³⁺/Mn²⁺-Toxizität; reduzierte Mikrobienaktivität; Ca/Mg/K-Auswaschung
  • N-Form-Wahl beeinflusst pH: NH₄⁺-dominante Düngung → pH sinkt (nutzen zum Korrigieren alkalischer Systeme); NO₃⁻-dominant → pH steigt

Anbau-Relevanz

  • Tägliche pH-Messung in Hydro-Systemen; wöchentlich in Substrat
  • Kalibrierung des pH-Meters monatlich (pH 4,0 + 7,0 Pufferlösungen)
  • Messpunkt: Nährlösung am Einlauf und Ablauf messen → Differenz zeigt Wurzelzonedynamiken
  • Erde/Substrat-pH: 30-min-Wasserextrakt (1:1 Boden:Wasser) → repräsentativer als Oberflächenmessung
  • Flush bei pH-Lockout: Spülen mit pH-korrigiertem Wasser (große Volumina, 2–3x Topfvolumen)

Verwandte Begriffe

  • naehrstoffaufnahme — Transporter-Aktivität pH-abhängig
  • mikronaehrstoff-interaktionen — Lindsay-Schwab als Masterrahmen
  • phosphor — H₂PO₄⁻ vs. HPO₄²⁻ pH-Speziation
  • ec-loesungskonzentration — pH × EC × KAK-Dreieck
  • kec-substrat-puffer — Substrat-pH-Puffervermögen

Quellen

  • Truog (1946) / Lindsay & Schwab (1982). Soil pH and nutrient availability curves.
  • Emerald Harvest (2024). Optimizing pH in Hydroponics.
  • Cockson et al. (2019). Characterization of Nutrient Disorders of Cannabis sativa. MDPI Appl.Sci.

Quellen

  • Cockson P et al. (2022): Optimisation of N, P, K for soilless cannabis. Agronomy 11:2652. PMID:34786507

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. PMID
  2. Emerald Harvest — pH 5,8–6,3 als optimaler Bereich Hydro Cannabis
  3. Truog 1946 / Lindsay-Schwab — pH-Verfügbarkeitskurven alle Nährstoffe
  4. Cockson et al. 2019 — Cannabis-spezifische Nährstoffstörungen (MDPI)

Hinweis: Die Inhalte dienen ausschließlich der sachlichen Bildung und Information. Keine Werbung für Cannabis i.S.d. §6 KCanG.