Hinweis: Die Inhalte dienen ausschließlich der sachlichen Bildung und Information. Keine Werbung für Cannabis i.S.d. §6 KCanG.

Qualifizierte Person (QP)

REVIEW

Stand: 2026-06-20

Überblick: Qualifizierte Person (QP) im Cannabis- und Pharmabereich

Der Begriff "Qualifizierte Person" (QP) hat im Cannabis- und Pharmabereich zwei grundlegend unterschiedliche Bedeutungen. Im regulatorischen Kontext bezieht sich QP auf eine hochqualifizierte Fachperson mit spezifischen Anforderungen an Ausbildung und Berufserfahrung, die für die Freigabe von Arzneimitteln und die Einhaltung von GMP-Standards (Good Manufacturing Practice) verantwortlich ist. Im Umgangssprache des Cannabis-Marktes hingegen steht QP für "Quarter Pound" (Viertel Pfund), eine Maßeinheit für Cannabis-Produkte im Handel.

Diese Unterscheidung ist essentiell für die korrekte Kommunikation in der legalen Cannabis-Wirtschaft, insbesondere in Kontexten, die pharmazeutische Standards und behördliche Compliance betreffen. In Ländern mit reguliertem Cannabis-Markt müssen Hersteller von Cannabis-Derivaten und medizinischen Cannabis-Produkten die Standards erfüllen, die durch die Qualified Person sichergestellt werden.

Definition und regulatorischer Rahmen der Qualified Person

Die Qualified Person (QP) ist im pharmazeutischen und medizinischen Cannabis-Bereich eine Fachperson, die von Herstellern mit Herstellungsgenehmigung benannt werden muss. Ihre Existenz und ihre Verantwortlichkeiten sind gesetzlich verankert, insbesondere in der EU durch die Richtlinie 2001/83/EC (Humanarzneimittel) und 2001/82/EC (Tierarzneimittel), sowie durch die Bestimmungen in EudraLex Vol. 4.

Der rechtliche Rahmen verpflichtet jeden Inhaber einer Herstellungsgenehmigung für Arzneimittel in Europa, mindestens eine Qualified Person zu benennen. Die QP trägt eine einzigartige Funktion und Verantwortung, die weit über gewöhnliche Qualitätskontrollrollen hinausgeht. Die Anforderungen an die berufliche Qualifikation, die Ausbildung und die Erfahrung sind detailliert in EudraLex Vol. 4, insbesondere in Annex 16 und Chapter 1 (Part 1), festgelegt. Diese europäische Herangehensweise stellt sicher, dass die QP nicht nur hochqualifiziert ist, sondern auch ständig über aktuelle Entwicklungen in GMP/GDP (Good Distribution Practice) und behördlicher Compliance informiert bleibt.

Jeder EU-Mitgliedstaat muss diese Anforderungen in seine nationale Rechtsordnung überführen, was zu gewissen Unterschieden zwischen den Mitgliedstaaten führen kann. Allerdings sind alle Staaten an die Standards der Richtlinie gebunden. Zusätzliche nationale Anforderungen sind ebenfalls möglich und existieren tatsächlich, dürfen aber nicht mit EU-Anforderungen kollidieren oder die Freizügigkeit von Waren zwischen den Mitgliedstaaten beeinträchtigen.

Aufgaben und Verantwortungen der Qualified Person

Die Qualified Person muss persönlich sicherstellen, dass eine Reihe von kritischen Aufgaben erfüllt werden, wie sie in Annex 16, Abschnitt 1.6 der EudraLex aufgelistet sind. Die Hauptaufgaben umfassen:

Chargenzertifizierung und Freigabe: Die QP muss jede Charge von Fertigerzeugnissen persönlich zertifizieren und freigeben. Diese Zertifizierung erfolgt in einem Register oder einem gleichwertigen Dokument und stellt die Qualitätsfreigabe der Charge dar, bevor diese zum Verkauf oder zur Verteilung freigegeben wird. Dies ist eine der kritischsten Aufgaben der QP.

GMP-Compliance-Bestätigung: Die QP muss schriftlich bestätigen, dass Prozesse und Tests in Übereinstimmung mit GMP-Standards durchgeführt wurden und den relevanten Anforderungen der Herstellungsgenehmigung oder klinischen Prüfgenehmigung entsprechen.

Einhaltung der Marketing-Autorisierung: Die QP trägt die Verantwortung dafür, dass alle Aspekte der Arzneimittelproduktion den Bedingungen der Marketing-Autorisierung entsprechen und dass alle im Zulassungsdossier beschriebenen Spezifikationen eingehalten werden.

Dokumentation und Rückverfolgbarkeit: Die QP muss sicherstellen, dass alle erforderlichen Dokumentationen korrekt geführt werden, dass die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe und Zwischenprodukte gewährleistet ist, und dass die Lieferkette überprüft wird.

Einhaltung nationaler und internationaler Vorschriften: Die QP muss dafür Sorge tragen, dass alle zusätzlichen Anforderungen der nationalen Gesetzgebung erfüllt werden und dass die Zertifizierung in einem Register oder gleichwertigen Dokument dokumentiert ist.

Die QP trägt somit eine enorme Verantwortung und haftet persönlich für die Qualität und Sicherheit der freigegebenen Arzneimittel oder Cannabis-Derivate.

QP im medizinischen Cannabis-Kontext: Anwendung und Anforderungen

Für Hersteller von medizinischem Cannabis und Cannabis-Derivaten in der EU gelten die gleichen GMP-Standards und QP-Anforderungen wie für konventionelle Arzneimittel. Dies bedeutet, dass jeder lizenzierte Produzent von medizinischem Cannabis eine Qualified Person beschäftigen muss, die die Herstellungsprozesse übersieht und jede Produktionscharge zertifiziert.

Die Anforderungen an die Ausbildung einer Qualified Person sind streng: In der Regel wird ein universitärer Abschluss in Pharmazie, Chemie oder einer verwandten Disziplin vorausgesetzt, gefolgt von mehreren Jahren praktischer Erfahrung in der pharmazeutischen Qualitätskontrolle und -sicherung. Manche Länder verlangen auch spezifische Schulungen im Bereich GMP und behördliche Compliance.

Der Bereich medizinisches Cannabis fällt unter diese strengen Anforderungen, insbesondere wenn Cannabis als Arzneimittel oder in Arzneiform verarbeitet wird. Dies unterscheidet den regulierten, pharmazeutischen Markt deutlich vom nicht-pharmazeutischen Cannabis-Markt, wo solche Anforderungen nicht gelten.

QP als Maßeinheit: Quarter Pound im Cannabis-Handel

Im alltäglichen Sprachgebrauch des Cannabis-Marktes steht "QP" für "Quarter Pound", also ein Viertel Pfund Cannabis. Ein Quarter Pound entspricht vier Unzen (ca. 113 Gramm). Dies ist eine etablierte Maßeinheit, besonders in englischsprachigen Ländern und im informellen sowie formalen Cannabis-Handel.

In legalen Märkten, wo der Verkauf an Einzelne beschränkt ist (beispielsweise auf eine Unze pro Transaktion in vielen US-amerikanischen Bundesstaaten), bleibt der QP eine wichtige Maßeinheit im wholesale und bei der Handelsabwicklung. Für kommerzielle Cannabis-Produzenten, die Verarbeitungsprodukte herstellen, sind QP-Mengen oft eine Standard-Berechnungseinheit für Rezepturen und Chargeneinteilungen.

Die Unterscheidung zwischen diesem QP (Quarter Pound) und der QP als regulatorischer Funktion ist in professionellen Kontexten wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden, zumal beide Bedeutungen in wissenschaftlichen und kommerziellen Dokumenten Cannabis-Themen betreffen können.

Nachgewiesene Anforderungen und Dokumentation durch die QP

Die European Medicines Agency (EMA) hat umfangreiche Templates und Richtlinien für die Erklärungen und Dokumentationen einer Qualified Person entwickelt. Das Template für die QP-Erklärung zur GMP-Compliance bei der Herstellung von Wirkstoffen (Referenznummer: EMA/CHMP/CVMP/QWP/696270/2010) unterstreicht die Bedeutung einer umfassenden Erklärung und Harmonisierung der Dokumentation.

Diese Dokumentation muss enthalten: eine detaillierte Beschreibung der durchgeführten Überprüfungen, die Überprüfung der Lieferkette von Rohstoffen, die Bestätigung, dass alle Prozesse nach GMP durchgeführt wurden, und die persönliche Erklärung der Qualified Person, dass alle Anforderungen erfüllt sind. Diese Dokumentation ist entscheidend für die Effizienz des behördlichen Bewertungsprozesses und trägt zur Transparenz und Vertrauenswürdigkeit des Herstellungsprozesses bei.

Die QP muss ihre Erklärung persönlich unterzeichnen und kann keine andere Person autorisieren, dies an ihrer Stelle zu tun. Dies unterstreicht die persönliche Verantwortlichkeit und die kritische Rolle der Qualified Person im Herstellungsprozess von Arzneimitteln und medizinischem Cannabis.

Berufliche Entwicklung und kontinuierliche Anforderungen für QPs

Aufgrund der Komplexität und Verantwortung ihrer Rolle müssen Qualified Persons sich kontinuierlich weiterbilden. Die Regulierungen, Standards und Anforderungen an die GMP-Compliance ändern sich regelmäßig, und die QP muss über diese Entwicklungen informiert bleiben. Dies ist nicht nur eine best practice, sondern oft eine behördliche Anforderung.

Viele europäische Länder verlangen eine jährliche Mindestanzahl von Fortbildungsstunden im Bereich GMP, behördliche Compliance und Qualitätssicherung. Professionelle Organisationen wie die ECA (European Compliance Academy) bieten spezialisierte Schulungen und Zertifizierungen für Qualified Persons an. Diese kontinuierliche Entwicklung stellt sicher, dass die QP mit den neuesten Entwicklungen in der Pharmazie, insbesondere auch im sich entwickelnden Bereich des medizinischen Cannabis, Schritt hält.


Quellen und Referenzen

  • EMA/CHMP/CVMP/QWP/696270/2010: Template für die Erklärung einer Qualified Person zur GMP-Compliance bei der Herstellung von Wirkstoffen. European Medicines Agency, 2011. Verfügbar unter: EMA Scientific Guideline

  • EudraLex - The rules governing medicinal products in the European Union, Volume 4: Good Manufacturing Practice (GMP) Guidance. European Commission, laufend aktualisiert. Besonders relevant: Annex 16 und Chapter 1 (Part 1).

  • doi.org/10.1007/s11095-021-03086-x: Quality Control und die Rolle von Qualified Persons in der pharmazeutischen Industrie. Peer-reviewed pharmazeutische Fachliteratur.

  • GMP-Compliance Academy: "What are the Tasks and Functions of the Qualified Person (QP)?". ECA Foundation, 2026. Verfügbar unter: gmp-compliance.org

  • Leafly Cannabis Glossary: "What is a QP (Quarter Pound)?". Definition der QP als Maßeinheit im Cannabis-Handel.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. EMA/CHMP/CVMP/QWP/696270/2010 - Template für QP-Erklärung GMP-Compliance
  2. doi.org/10.1007/s11095-021-03086-x - Quality Control und Qualified Persons in der Pharmazie
  3. EudraLex Vol. 4 Annex 16 und Chapter 1 (Part 1)

Hinweis: Die Inhalte dienen ausschließlich der sachlichen Bildung und Information. Keine Werbung für Cannabis i.S.d. §6 KCanG.