Raupen (Blüten-Bohrer Cannabis)
Kurzdefinition
Helicoverpa zea (Maiszünsler) und Spodoptera spp. bohren sich in Cannabisblütenstände — ihr Frass schafft Eintrittspforten für Botrytis cinerea, was oft mehr Schaden als der direkte Fraß anrichtet. Btk (Bacillus thuringiensis var. kurstaki) muss vor dem Einbohren appliziert werden; danach sind Larven für Spritzungen unerreichbar. Trichogramma Eiparasitoide = früheste Interventionsstufe.
Wissenschaftliche Beschreibung
Erregerspektrum
| Art | Dt. Name | Schadmuster |
|---|---|---|
| Helicoverpa zea | Maiszünsler/Baumwollkapselbohrer | Hauptschädling; tiefes Blütenbohren |
| Spodoptera frugiperda | Herbstheerwurm | Blüten + Blattfraß |
| S. exigua | Rübenmotte | Ähnlich frugiperda |
| Trichoplusia ni | Kohlschlupfwespen-Ziel | Blatt + frühe Blüte |
Botrytis-Kaskade (kritische Verbindung)
Mechanismus: 1. Larve bohrt in Blütenstand 2. Fraß-Tunnel + Kotkammern entstehen 3. Feuchtes, nährstoffreiches Mikromilieu im Tunnelinneren 4. Botrytis-Konidien → optimale Keimbedingungen 5. Grauschimmel breitet sich aus dem Tunnel aus → Totalverlust der Blüte
→ Botrytis-Sekundärinfektion = potenziell größerer Schaden als direkter Herbivorie.
Btk-Biopestizid (Bacillus thuringiensis var. kurstaki)
Wirkungsweise: - Cry1A + Cry1Ac Delta-Endotoxine → aktiviert im alkalischen Mitteldarm (pH 9–10) von Lepidoptera-Larven - Porenkomplex im Darmepithel → Ionengleichgewicht gestört → Septikämie → Tod in 24–48h - Spezifisch für Lepidoptera → unbedenklich für Bienen, Nützlinge, Säugetiere
Timing-Kritikalität: - Muss als Foliarsrpay vor dem Einbohren appliziert werden - Einmal im Blüteninneren: Larven ohne Btk-Kontakt → wirkungslos - Früher Instar = empfindlichster Zeitpunkt; ältere Larven toleranter
Monitoring-Schema
| Methode | Zielstadium | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Pheromon-Fallen (H. zea) | Adulte (Motten) | Ab Pre-Bloom |
| Visuelle Inspektion (Eier auf Kelchblättern) | Eier | Wöchentlich ab Blüte |
| Btk-Applikation | Frische Larven L1-L2 | Bei Eifunden |
| Trichogramma-Release | Eier | Präventiv/bei Mottenfang |
Anbau-Relevanz
- Outdoor-Herbstrisiko: H. zea-Saison = August–Oktober (Nordamerika/Europa) → maximales Blüterisiko
- Insektenschutznetze im Gewächshaus: Notwendig; Motten fliegen nachts
- Bt-Resistenz: Bei ausschließlicher Btk-Nutzung → Resistenzentwicklung; Spinosad alternieren (wenn registriert)
- Handernte + Blüteninspektion: Frass-kontaminierte Blüten aussortieren; Konsumentenrisiko durch Rußpilze + Kotreste
Verwandte Begriffe
- botrytis-cinerea — Botrytis-Sekundärinfektion nach Raupenbefall
- mikrobielle-biopestizide — Btk-Mechanismus + Bti-Differenzierung
- ipm-cannabis-prinzipien — Trichogramma + Btk im IPM-Programm
Quellen
- PMC8541464 — Schädlings-Spektrum Hanf und Pathogen-Interaktionen
- JIPM 2024 — Arthropod Pests of Hemp (Artikel)
Quellen
- https://doi.org/10.1139/cjb-2023-0056
- Saloner A & Bernstein N (2024): Cannabis responses to environmental stress. Can. J. Bot. doi:10.1139/cjb-2023-0056