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Rockwool / Steinwolle

REVIEW Term Laienrelevanz: mittel

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Mineralwolle Glasfaser-Substrat Steinwolle

Rockwool / Steinwolle

Kurzdefinition

Rockwool (Steinwolle, Mineralwolle) ist ein inertes Hydroponikssubstrat aus geschmolzenem Basalt und Kalk, ohne KAK und ohne organische Substanz. Es bietet maximale Kontrollierbarkeit durch lösungsbasiertes Nährstoff-Steering, erfordert aber strenge pH/EC/DO-Überwachung — ohne Puffervermögen der Substrate.

Wissenschaftliche Beschreibung

Materialzusammensetzung und Eigenschaften

Herstellung: Basaltgestein + Kalkstein bei 1600°C erschmolzen → Fasern (5–8 µm Durchmesser) durch Zentrifugalkraft erzeugt → gebunden mit Phenolharzträger → Matten/Würfel/Platten geformt.

Chemische Zusammensetzung: - SiO₂: 45–55% (Grundstruktur) - Al₂O₃: 10–15% (strukturelle Festigkeit) - CaO: 15–25% (Quelle der Werks-Alkalinität!) - MgO: 5–10% - KAK: ≈ 0 meq/100g (keine ionischen Bindungsstellen) - Organische Substanz: 0%

Die CaO-Restalkalinität führt dazu, dass neues Rockwool einen pH von 7,5–8,5 hat. Ohne Vorbehandlung: Fe/Mn-Lockout ab Woche 1.

pH-Vorsättigung (Pre-Soak) bei pH 5,5

Obligatorisches Pre-Soak-Protokoll für neues Rockwool: 1. Rockwool-Würfel/Platten vollständig in pH 5,5-Wasser für 24 Stunden einweichen 2. CaO-Oberfläche neutralisiert sich: CaO + H₂O → Ca(OH)₂; Ca(OH)₂ + 2H⁺ → Ca²⁺ + 2H₂O 3. Nach Pre-Soak: Rockwool stabilisiert sich bei pH 5,5–6,0 wenn mit Nährlösung bewässert 4. Kontrolle: Runoff-pH sollte innerhalb 24–48h pH 5,5–6,0 erreichen

Fehlendes Pre-Soak → pH 7,5–8,5 in Woche 1–2 → Fe, Mn, Zn, Cu praktisch unlöslich → Chlorosen trotz vollständiger Nährlösung.

Wassergehalt-Management (WC%)

Rockwool-Platten werden über Wassergehalt-Prozent (WC%) gesteuert, nicht über absolute Bewässerungsvolumen:

Ziel-WC% Bewässerungsstrategie Pflanzenreaktion
80–90% Häufige kleine Dosen (generative Vorbeugung) Vegetatives Wachstum
70–80% Moderate Frequenz Ausgeglichenes Wachstum
60–70% Reduzierte Frequenz (generatives Steering) Blütenstimulation, Wurzeldruck
<60% Trocken-Stress-Trigger Notstimulus (nur kurz)

Generatives Steering durch EC-Erhöhung (0,2–0,4 dS/m über Feed-EC) + WC-Reduktion → Stressreaktion → Blütenstimulation.

Offenes vs. Geschlossenes System

Offenes (Run-to-Waste): Jede Bewässerung liefert frische Nährlösung; Runoff verworfen. Vorteil: keine Pathogenakkumulation; Nachteil: 20–30% Wasser-/Nährstoffverlust. Standard für pharmazeutisch-grade Medizinalcannabis.

Geschlossenes (Rezirkulierend): Runoff gesammelt, pH/EC angepasst, zurückgeführt. Vorteil: 30–50% Wasser-/Nährstoffeinsparung; Nachteil: Pathogenrisiko → UV-Sterilisierung (254 nm, 30–40 mJ/cm²) oder H₂O₂-Dosierung (3–5 ppm kontinuierlich) obligatorisch.

Wurzeltemperatur in Rockwool

Exponierte Rockwool-Platten auf Gewächshausboden können im Sommer >30°C Wurzeltemperatur erreichen: - Bei >24°C: Gelöster Sauerstoff (DO) fällt unter sichere Schwelle (pH-Löslichkeitskurve) - Bei >28°C: Pythium-Wachstumsrate exponentiell → Wurzelrot-Epidemien - Kühlstrategien: Platten erhöht lagern (Luftzirkulation); weiß-schwarze Folie (Wärmereflexion); gekühlte Nährlösung (<22°C)

Steering-Prinzip: Alles über die Lösung

Da Rockwool keine chemische Eigenschaft hat, die die Nährlösung modifiziert, ist das Steering vollständig durch Drip-EC, Drip-pH und Bewässerungsvolumen kontrollierbar: - Feed-EC erhöhen (+0,2–0,3 dS/m) → kurzfristiger generativer Trigger - Feed-EC senken (−0,2–0,3 dS/m) → vegetativer Reset - pH-Drift passiert in Rockwool in Stunden, nicht Tagen → tägliches Monitoring obligatorisch

Biologische Auswirkungen

  • Schnellste Reaktionszeit aller Substrate auf Nährstoffänderungen: 2–6 Stunden vs. Tage in Erde
  • Keine Pufferung: pH-Fehler wirken sofort; Nährstoff-Lockout ohne Substrat-Reserve
  • Kein Mikrobiom-Habitat: Rockwool unterstützt kein lebendiges Bodennetz → nur mineralische Düngung sinnvoll

Anbau-Relevanz

  • Pre-Soak immer — kein Weg darum herum für neues Rockwool
  • Tägliche pH/EC-Messung von Feed und Runoff — in keinem anderen Substrat so kritisch
  • DO-Monitoring bei Lösungstemperatur >22°C essentiell (DO >6 mg/L)
  • Erfahrungslevel: Rockwool ist Experten-Substrat — null Puffer, maximale Kontrolle, maximales Fehlerpotenzial
  • Recyclability: Rockwool kann nach einem Zyklus mit H₂O₂/Dampf sterilisiert und wiederverwendet werden (kommerziell: einmaliger Gebrauch wegen Pathogenrisiko)

Verwandte Begriffe

  • hydroponik-medien — inerte Hydro-Substrate (LECA, DWC, NFT) als verwandte Systeme
  • ec-monitoring — Runoff-EC-Steering in Rockwool
  • ph-regulierung — pH-Management ohne KAK-Pufferung
  • salzstress — Cannabis im Hochpräzisions-Rockwool-System besonders NaCl-sensitiv

Quellen

  • Malik et al. 2025 (DOI: 10.3390/agriculture15181955) — Rockwool-Eigenschaften, Cannabis
  • Cultiwool Technical Guide — pH 5,5–5,8, WC%-Management, generatives Steering
  • Pythium Rockwool-Studien — Graham & Timmer (Florida HortSci 2001, Übersicht)

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Malik et al. 2025 DOI: 10.3390/agriculture15181955 — Rockwool-Bewertung DOI
  2. Cultiwool — pH 5,5–5,8 Rockwool-Zielbereich

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