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Total Yeast Mold Count (TYMC)

REVIEW

Stand: 2026-06-20

Definition und Bedeutung

Total Yeast Mold Count (TYMC) ist eine analytische Kennzahl, die die Gesamtmenge an Hefen und Schimmelpilzen in Cannabisproben misst. Sie wird in koloniebildenden Einheiten pro Gramm (CFU/g) getrockneter Blüten angegeben. TYMC ist ein kritischer Qualitätsparameter in der Cannabisanalytik, da eine hohe Pilzbelastung potenzielle Gesundheitsrisiken für Konsumenten darstellt, insbesondere für immungeschwächte Personen. Regulatorische Behörden weltweit haben Grenzwerte für TYMC etabliert, die vor dem Verkauf von Cannabisprodukten eingehalten werden müssen.

Regulatorische Grenzwerte

Die zulässigen TYMC-Limits variieren erheblich zwischen verschiedenen Jurisdiktionen und Ländern. In Kanada liegt der Grenzwert bei 50.000 CFU/g getrockneter Blüten, während in den USA die Limits je nach Bundesstaat zwischen 1.000 und 100.000 CFU/g schwanken. Einige Jurisdiktionen haben strengere Standards mit Limits von 1.000–10.000 CFU/g implementiert. Die Europäische Union entwickelt derzeit harmonisierte Standards für Cannabisprodukte. Diese Variabilität in den Grenzwerten spiegelt unterschiedliche Risikobewertungen und regulatorische Philosophien wider. Kommerziell getrocknete Cannabisproben unter optimalen Bedingungen enthalten typischerweise weniger als 1.000–5.000 CFU/g, was deutlich unter den meisten regulatorischen Limits liegt.

Einflussfaktoren auf TYMC-Werte

Umfangreiche Forschung mit über 2.000 Proben über einen Zeitraum von drei Jahren (doi.org/10.3389/fmicb.2023.1192035) hat gezeigt, dass TYMC-Werte durch mehrere Faktoren beeinflusst werden. Die Cannabissorte (Genotyp) hat einen signifikanten Einfluss: einige Sorten wie "Watermelon Kush" und "Powdered Donuts" zeigen naturgemäß höhere TYMC-Werte, während andere wie "Jack Herer" und "Death Bubba" niedrigere Werte aufweisen. Umweltbedingungen spielen ebenfalls eine kritische Rolle – höhere Temperaturen und relative Luftfeuchtigkeits-Grade innerhalb der Blütenstruktur fördern Pilzwachstum. Das Vorhandensein von Blattabfällen in Gewächshäusern erhöht die Pilzbelastung deutlich. Die Ernte durch Arbeitnehmer, die Trocknungsmethode und das Trocknungsniveau beeinflussen die endgültigen TYMC-Werte massiv.

Punja et al. (2023, PMID: 37873451) zeigten, dass die vier dominantesten Pilzgattungen Penicillium, Aspergillus, Cladosporium und Fusarium sind, und dass 21 verschiedene Pilz- und Hefespezies zur Gesamtpilzbelastung beitragen.

Identifizierte Pilzarten

Die Pilzflora auf Cannabisblüten ist komplex und diverse. Die vier dominantesten Pilzgattungen sind Penicillium, Aspergillus, Cladosporium und Fusarium. In einer umfassenden Studie wurden 21 verschiedene Pilz- und Hefespezies identifiziert, die zur Gesamtpilzbelastung beitragen. Aspergillus ochraceus macht 30–40% der Pilzgemeinschaft aus, Penicillium citrinum und P. olsonii zusammen etwa 50–70%. Cladosporium cladosporioides ist in 20–30% der Proben vorhanden. Einige dieser Arten, insbesondere Aspergillus flavus und Fusarium graminearum, haben hohes Mykotoxinbildungspotenzial und sind potenzielle Gesundheitsgefahren. Andere, wie viele Penicillium-Arten, haben geringes oder unbekanntes Gesundheitsrisiko. Die Zusammensetzung der Pilzgemeinschaft ist spezifisch für die Anbaubedingungen und die individuelle Plantage.

Gwinn et al. (2023, PMID: 37928692) veröffentlichten einen umfassenden Review über Pilz- und Mykotoxin-Kontaminanten in Cannabis- und Hanfblüten mit Implikationen für die Verbrauchergesundheit und identifizierten weitere Forschungsbedarfe.

Probenahme und Analysemethoden

Die standardisierte TYMC-Analyse erfolgt durch Homogenisierung von Cannabisproben und Auftrag auf Nährmedien. Zehn Gramm frische oder ein Gramm getrocknete Pflanzenmaterial werden mit Wasser homogenisiert und auf Kartoffel-Dextrose-Agar (PDA) mit Streptomycin-Sulfat zur Unterdrückung von Bakterienwachstum ausgebracht. Nach fünftägiger Inkubation bei 23°C und 10–14 Stunden Beleuchtung werden Kolonien gezählt und als CFU/g berechnet. PDA hat sich als überlegenes Medium im Vergleich zu Sabouraud-Dextrose-Agar oder Trypticase-Soja-Agar erwiesen, da es konsistentere Ergebnisse liefert. Die Ergebnisse können zwischen verschiedenen Laboratorien variieren, abhängig von spezifischen Protokollparametern, Inkubationstemperatur und Zeitdauer. Molekulare Identifikation durch PCR der ITS1-5.8S-ITS2-Region ermöglicht die Bestimmung spezifischer Pilzarten.

Optimierungsstrategien zur TYMC-Reduktion

Produzenten können mehrere nachgewiesene Strategien implementieren, um TYMC-Werte zu minimieren. Genetische Auswahl von Sorten mit geringerer Pilzanfälligkeit reduziert die Belastung erheblich. Die Aufrechterhaltung einer guten Luftzirkulation durch Lüfter während der Blütenreife senkt die Pilzbelastung messbar. Eine strikte Hygienekontrolle in Gewächshäusern, einschließlich Entfernung von Blattabfällen und Vermeidung von Erntestress auf den Pflanzen, ist entscheidend. Die Ernte während der Wintermonate (November–April) resultiert in niedrigeren TYMC-Werten im Vergleich zur Sommerernte (Mai–Oktober). Post-Harvest-Trocknungsmethoden sind kritisch: das Trocknen von ganzen Stängeln durch Hängen ist wirkungsvoller als Trocknungsgestelle. Das wichtigste Element ist das Erreichen eines Feuchtigkeitsgehalts von 12–14% (Wassereaktivität 0,65–0,7 oder niedriger), was eine inverse Korrelation mit CFU-Werten zeigt.

Gesundheitsrisiken und Verbraucherschutz

Pilzkontaminationen in Cannabisprodukten stellen potenzielle Gesundheitsrisiken dar, insbesondere für immungeschwächte Personen. Bestimmte Pilzarten wie Aspergillus fumigatus und A. flavus können opportunistische Infektionen (Mykosen) verursachen, wenn Sporen eingeatmet werden. Diese Pilze können in die Nasengänge und Lungen eindringen und dort Infektionen auslösen. Darüber hinaus produzieren viele Pilzarten Mykotoxine – sekundäre Metabolite, die toxisch für Menschen und Tiere sind. Aflatoxine von Aspergillus-Arten sind besonders besorgniserregend wegen ihrer kanzerogenen und immunsuppressiven Eigenschaften. Die aktuelle TYMC-Prüfung mittels Agarplattenmethoden kann nicht zwischen harmlosen und potenziell schädlichen Pilzarten unterscheiden, was ein erhebliches Analyselimit darstellt. Zukünftige Prüfmethoden müssen speziesselektiv und mykotoxinorientiert sein.


Zuletzt aktualisiert: 2026-06-20 Quellenangaben: - Punja, Z.K., et al. (2023). Total yeast and mold levels in high THC-containing cannabis inflorescences are influenced by genotype, environment, and pre- and post-harvest handling practices. Frontiers in Microbiology, 14, 1192035. https://doi.org/10.3389/fmicb.2023.1192035 - Punja, Z.K., & Scott, C. (2023). Fungal and mycotoxin contaminants in cannabis and hemp flowers: implications for consumer health and directions for further research. Frontiers in Microbiology, 14, 1278189. PMID: 37873451 - Gwinn, K.D., et al. (2023). Fungal and mycotoxin contaminants in cannabis and hemp flowers. Frontiers in Microbiology. PMID: 37928692

Quellen

  1. Total yeast and mold levels in high THC-containing cannabis inflorescences are influenced by genotype, environment, and pre- and post-harvest handling practices (2023) DOI
  2. Fungal and mycotoxin contaminants in cannabis and hemp flowers (2023) PMID
  3. Fungal and mycotoxin contaminants in cannabis and hemp flowers - implications for consumer health and directions for further research (2023) PMID
  4. Effects of cold plasma, gamma and e-beam irradiations on reduction of fungal colony forming unit levels in medical cannabis inflorescences (2020) DOI
  5. Pathogens and molds affecting production and quality of Cannabis sativa L. (2019) DOI
  6. Emerging diseases of Cannabis sativa and sustainable management (2021) DOI

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