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ABA (Abscisinsäure)

REVIEW Term Laienrelevanz: hoch

Stand: 2026-06-19

Synonyme: Abscisinsäure ABA Stress-Hormon (2Z,4E)-5-[(1S)-1-Hydroxy-2,6,6-trimethyl-4-oxocyclohex-2-en-1-yl]-3-methylpenta-2,4-diensäure

ABA (Abscisinsäure)

Kurzdefinition

Abscisinsäure (ABA) ist ein C15-Sesquiterpenoid (apo-Carotenoid), das als zentraler Masterregulator der Trockenstressantwort, des Stomataschlusses, der Samendormanz und der Wachstumsinhibition wirkt; Hauptsyntheseorte sind stressinduziert Mesophyllzellen (NCED3) und konstitutiv Wurzelspitzen.

Wissenschaftliche Beschreibung

Chemische Struktur: ABA ist ein C15-Sesquiterpenoid — genauer ein apo-Carotenoid, da es durch oxidative Spaltung eines C40-Carotenoids (Neoxanthin) entsteht, nicht durch De-novo-Isopren-Kondensation. Struktur: Cyclohexenon-Ring mit 1-Hydroxy-Gruppe und konjugierter Diensäure-Seitenkette; aktive Naturform ist (+)-ABA mit (S)-Konfiguration am C-1' (Finkelstein 2013, PMID: 3833200). Molekülmasse: 264,32 g/mol; pKₐ ~4,7 (schwache Säure).

Syntheseorte in Cannabis: - Mesophyllzellen: Primärer Ort stressinduzierter ABA-Biosynthese; bei Trockenstress → NCED3 in Chloroplasten 10–30-fach induziert (→ aba-biosynthese) - Wurzelspitzen: Konstitutive ABA-Produktion; wird über den Xylem-Strom nach oben transportiert → "root-to-shoot"-Trockenheitssignal - Schließzellen: Autokrine ABA-Synthese (self-amplifying loop bei Stomataschluss) - Samen: ABA akkumuliert bei Samenreife → Dormanz-Etablierung

ABA-Transport: ABA (pKₐ 4,7) liegt bei apoplastischem pH (~5,5) zu ~6 % protoniert vor (ABAH, membranpermeabel); bei cytolasmaischem pH (~7,2) fast vollständig ionisiert (ABA⁻, Membran-impermeabel) → "Anionen-Falle": - ABCG25 (ATP-Binding Cassette G25): exportiert ABA aus Mesophyllzellen (Ying et al. 2023) - AIT1/NRT1.2 (NPF4.6): Importiert ABA in Zellen (Kanno et al. 2012, PMID: 3386071) - Xylem: Wurzel→Spross-Transport unter Drought (apoplastischer pH erhöht → mehr ABAH → erhöhte Membranpermeabilität) - Phloem: Spross→Wurzel-Recirculation

Wichtigste ABA-regulierte Prozesse: 1. Stomataschluss bei Trockenstress → Wasserverlustminimierung (→ aba-stomataschluss) 2. Samendormanz und Keimungshemmung — ABA:GA-Ratio (→ aba-dormanz-stress) 3. Wachstumsinhibition — Antagonismus zu GA und Auxin 4. Stress-Gen-Aktivierung — RD29A, RAB18, LEA-Proteine (ABRE-Element-vermittelt) 5. Osmolyt-Akkumulation — Prolin via P5CS

ABA-Katabolismus: CYP707A (ABA-8'-Hydroxylase): 8'-Hydroxylierung → Phaseinsäure (inaktiv); balanciert ABA-Spiegel nach Stressende.

Biologische Auswirkungen

ABA ist der "Stress-Hormon"-Masterregulator — koppelt Umweltstress (Trockenheit, Kälte, Pathogene) an physiologische Anpassungsreaktionen. Die Hauptwirkungen (Stomataschluss, Dormanz-Erhalt) sind evolutionär konserviert. In Cannabis sind die gleichen PYR/PYL-PP2C-SnRK2-Mechanismen wie in Arabidopsis aktiv; Cannabis-Schließzellen reagieren besonders empfindlich auf VPD-Schwankungen (diacytische Stomata-Typ).

Anbau-Relevanz

  • Drought priming: Gezieltes moderates Austrocknen zwischen Bewässerungszyklen (bis 30–40 % Feldkapazität, dann Rewässern) → trainiert ABA-System → robustere Stressantwort bei nachfolgendem Drought
  • Trockenstress-Management: VPD-Kontrolle (0,8–1,2 kPa optimal) verhindert übermäßige ABA-Akkumulation und Stomataschluss → optimale Photosynthesekapazität
  • Übermäßige Bewässerung: Unterdrückt ABA-Signalgebung → geringere Trockentoleranz, erhöhtes Fäulnisrisiko
  • Mythos: "Trockenstress erhöht Cannabinoid-Potenz" — es gibt keine belastbaren Belege, dass Drought-Stress THC-Gehalte erhöht; Ertrag und Pflanzengesundheit werden jedoch sicher reduziert

Verwandte Begriffe

  • aba-biosynthese — NCED3/Carotenoid-Weg
  • aba-rezeptorsystem — PYR/PYL-PP2C-SnRK2-Kaskade
  • aba-stomataschluss — OST1-SLAC1-Mechanismus
  • aba-dormanz-stress — Samendormanz und Trockenstress-Memory
  • gibberelline — GA als ABA-Antagonist

Quellen

  • Finkelstein R (2013) Arabidopsis Book 11:e0166. PMID: 3833200
  • Kanno Y et al. (2012) Nature Commun 3:1307. PMID: 3386071
  • Ying W et al. (2023) Nature Plants 9:1986–1998. DOI: 10.1038/s41477-023-01510-0
  • Bajguz A et al. (2023) Int J Mol Sci 24:9743. PMID: 10456939

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Finkelstein (2013) PMID: 3833200 (2013) PMID
  2. Kanno et al. (2012) PMID: 3386071 (2012) PMID
  3. Bajguz et al. (2023) PMID: 10456939 (2023) PMID

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