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Blütenstand (Cola)

REVIEW Konzept Laienrelevanz: hoch

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Cola Hauptblüte Blütenkolben Infloreszenz Hauptcola Seitencola

Blütenstand (Cola)

Kurzdefinition

Als Cola bezeichnet man den dichten, aus vielen Einzelblüten zusammengesetzten Blütenstand der weiblichen Cannabispflanze — der Hauptblütenstand an der Triebspitze wird als Hauptcola (Apex-Cola) bezeichnet, die seitlichen als Seitencolas.

Wissenschaftliche Beschreibung

Botanische Einordnung

Der Blütenstand von Cannabis sativa ist botanisch eine Ähre (Spica) bzw. ein zusammengesetzter Blütenstand (zusammengesetzte Ähre/Thyrsus). Die Einzelblüten sind apetal (ohne Kronblätter) und windbestäubt (anemophil). Jede Einzelblüte besteht aus:

  • Braktee (Tragblatt): modifiziertes Blatt, das die Einzelblüte umhüllt und dicht mit glandulären Trichomen besetzt ist
  • Perianth (Blütenhülle): stark reduziert, aus 5 verwachsenen Sepalen
  • Pistill: mit zwei Narben (Stigmata) und einer basalen Samenanlage (Ovulum)

Die Cola entsteht durch akropetale Abfolge von Einzelblüten entlang einer gestreckten Blütenachse (Rachis). Bei unvebestäubten (Sinsemilla-)Pflanzen schwellen die Brakteen stark an und bilden das charakteristische „Bud"-Erscheinungsbild.

Cola-Typen und Architektur

Typ Position Entstehung Größe
Hauptcola (Apex-Cola) Sprossspitze Apikalmeristem Größte; profitiert von Apikaldominanz
Seitencola Laterale Achseln Achselknospen nach Verzweigung Kleiner; gleich groß nach Topping
Popcorn-Buds Unterste Triebe Lichtmangel, geringe Assimilat-Zufuhr Klein, locker

Die Hauptcola ist bei unmanipulierten Pflanzen durch Apikaldominanz (Auxin-Gradient) bevorzugt versorgt. Nach Topping entstehen 2 gleichwertige Hauptcolas aus den Achselknospen unterhalb des Schnitts.

Morphologische Entwicklung (BBCH-Skala)

  • BBCH 51: Erste Pistille sichtbar in Blütenachseln — Colas noch nicht erkennbar
  • BBCH 55–59: Elongation der Blütenachse; Brakteen beginnen sich zu stapeln
  • BBCH 61–65: Cola-Struktur klar erkennbar; starkes Volumenwachstum
  • BBCH 67–69: Maximales Volumen; Trichome von klar → milchig; Pistille beginnen Retraktion
  • BBCH 85–89: Vollreife; Trichome milchig→bernstein; Pistille >70% orange

Sinsemilla-Effekt

Unvebestäubte Pflanzen (Sinsemilla = „ohne Samen") leiten ihre biochemische Energie vollständig in die Produktion von Cannabinoiden und Terpenen um, anstatt Samen zu entwickeln. Dies führt zu: - 3–5× höherer Cannabinoid-Konzentration im Blütengewebe als bei bestäubten Pflanzen - Stärkerem Anschwellen der Brakteen (Scheinschwangerschaft der Samenanlage) - Längerer Blütezeit bis zur Trichom-Reife

Cola-Dichte: Indica vs. Sativa

Indica-dominante Genetiken bilden typischerweise dichte, kompakte Colas mit enger Internodien-Abstand (kurze Rachis). Sativa-dominante Genetiken zeigen lockerere, längere Colas mit weiterem Internodienabstand — evolutionär vorteilhaft in feuchten Tropenklimates durch bessere Luftzirkulation (Botrytis-Prävention).

Quantitative Parameter

  • Trichom-Dichte auf Brakteen: 1.000–5.000 glanduläre Trichome/mm² (je nach Genetik)
  • THC-Konzentration: 15–30% in guten Sinsemilla-Colas (modern selektierte Sorten)
  • Cola-Frischgewicht: 5–150g pro Seitencola; bis 400g bei Hauptcola (indoor optimiert)

Biologische Auswirkungen

Die Cola-Entwicklung ist der sichtbare Ausdruck des reproduktiven Programms: Das apikale Meristem wechselt nach Blühinduktion seine Identität von vegetativ (Blätter produzierend) zu reproduktiv (Blüten produzierend). FT-Protein (Florigen) aus den Blättern aktiviert im SAM die MADS-Box-Transkriptionsfaktoren (AP1, LFY-Homologe), die Braktee- und Blüten-Identitätsgene einschalten. Die Elongation der Blütenachse wird durch Gibberelline gefördert.

Anbau-Relevanz

Optimierung der Cola-Entwicklung

Licht: PPFD 800–1200 µmol/m²/s in der Blütephase; gleichmäßige Ausleuchtung reduziert Popcorn-Bildung unten.

Canopy-Management: ScrOG und SOG-Methoden zielen darauf ab, möglichst viele Triebspitzen (potenzielle Colas) auf gleichem Lichtniveau zu halten — maximale Ausnutzung der Photonenenergie.

Trainings-Einfluss auf Cola-Verteilung: - Unmanipuliert: 1 große Hauptcola + viele kleine Seitencolas - Topping bei Knoten 4: 2 gleichwertige Hauptcolas - Mainlining (3× Topping): 8 gleichwertige Colas - ScrOG: Dutzende gleichwertige Colas auf Netzhöhe

Cola-Qualitätsmarker für Erntezeitpunkt: 1. Trichomfarbe: klar → milchig → bernstein (Lupe 60×) 2. Pistill-Retraktion: >70% orange/rot eingezogen 3. Cola-Festigkeit: leichtes Nachgeben beim Drücken = reif 4. Kelch-Schwellung: Maximum erreicht

Häufige Fehler: - Zu frühe Ernte (Colas noch nicht voll entwickelt, Trichome noch klar) - Lichtbrand durch zu nahe LED-Position → Trichom-Schäden an Colaoberfläche - Unzureichende Luftzirkulation → Botrytis in dichten Indica-Colas

Verwandte Begriffe

  • brakteen-calyx — Einzelstrukturen, aus denen die Cola aufgebaut ist
  • trichom-typen — Harzdrüsen auf Brakteen; enthalten Cannabinoide
  • apikaldominanz — bestimmt Haupt- vs. Seitencola-Verteilung
  • ernte-timing — Cola-Reife als primäres Ernte-Signal
  • scrog-methodik — Training zur gleichmäßigen Cola-Verteilung

Quellen

  • Small E. (2017): Cannabis: A Complete Guide. CRC Press. ISBN 9781498761635
  • Russo E.B. et al. (2008): DOI:10.1093/jxb/ern260. PMID:18987258
  • Caplan D. et al. (2019): DOI:10.21273/HORTSCI14086-19

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Small E. (2017): Cannabis: A Complete Guide. CRC Press. ISBN 9781498761635 (2017)
  2. Phytochemical and genetic analyses of ancient cannabis from Central Asia. J Exp Bot 59(15):4171-4182 (2008) DOI PMID
  3. Propagation protocol for the production of cannabis (Cannabis sativa L.) cuttings. HortScience 54(7):1261-1266 (2019) DOI

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