Kurzdefinition
Diese seltenen Chemotypen fallen außerhalb des klassischen THC/CBD-Schemas und entstehen durch Mutationen, die den Cannabinoid-Biosyntheseweg vor (Typ V) oder nach (Typ IV) dem CBGA-Schritt unterbrechen.
Wissenschaftliche Beschreibung
Chemotyp IV: CBGA-Akkumulation (B0/B0)
de Meijer 2009 beschrieb das B0-Nullallel — beide Synthasen (THCAS und CBDAS) sind inaktiv oder absent. CBGA kann nicht weiterverarbeitet werden und akkumuliert auf 10–20 %.
Wichtige Unterscheidung: CBG ≠ CBGA — CBG entsteht erst durch Decarboxylierung von CBGA (bei ~110 °C). Frische Pflanzen enthalten praktisch nur CBGA, nicht CBG. CBG und CBGA haben unterschiedliche Pharmakologie: CBG zeigt CB1/CB2-Agonismus, CBGA ist ein TRPA1-Agonist.
Kommerzielle Relevanz: "CBG-Hanf" (Zuk 2020) ist biologisch korrekt "CBGA-Hanf". Attraktiv als Nicht-Psychoaktiv-Produkt; THC unter Nachweisgrenze.
Chemotyp V: Upstream-Blockade (O-Locus-Mutation)
O-Locus (epistatisch über B-Locus): OLS (Olivetolsynthase), OAC (Olivetolsäure-Cyclase), oder GOT (Geranyltransferase) — eine Mutation in einem dieser Gene verhindert CBGA-Bildung → alle Cannabinoide bleiben aus.
Salamone 2022 beschrieb die Sorte "Ermo": 0,14 % Gesamt-Cannabinoide + Anhäufung neuer Dihydrophenanthrenoide: Cannipren, Cannflavin A, Cannflavin B + 3 bisher unbekannte Verbindungen. Typ-V-Pflanzen sind chemisch diverstär als bisher angenommen.
Propyl-Cannabinoide (THCV/CBDV)
Der ALT-Locus (Chr 7) steuert den Starter-CoA: Hexanoyl-CoA → Pentyl-Cannabinoide (THC, CBD); Butyryl-CoA → Propyl-Cannabinoide (THCV, CBDV). BKR (Chr 4, 2-bp-Deletion in Drogentypen) blockiert den Propyl-Pool in den meisten kommerziellen Sorten.
Züchterische Relevanz
Chemotyp-IV-Linien sind Ausgangsmaterial für CRISPR-THCAS-Knockout-Ansätze (Verifikationssystem). Chemotyp-V-Material (z.B. "Ermo") dient als natürliches Knockout-Modell für die Biosynthese-Forschung.
Anbau-Relevanz
Anbau-Relevanz noch nicht dokumentiert.