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Eisen und Mangan in Cannabis

REVIEW Term Laienrelevanz: hoch

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Fe Mn Eisen-Chlorose IRT1 PSII-OEC Ferrochelatase

Eisen und Mangan in Cannabis

Kurzdefinition

Eisen (Fe) und Mangan (Mn) sind Mikronährstoffe mit zentraler Rolle in der Photosynthese-Elektronentransportkette — Fe als Ferrochelatase-Substrat (Chlorophyllvorstufe) und IRT1-transportiertes Ion, Mn als Zentralatom des Photosystem-II-Sauerstoff-Evolving-Komplexes (OEC). Beide sind bei pH >6,5 schwer löslich und zeigen antagonistische Konkurrenz an gemeinsamen Transportern.

Wissenschaftliche Beschreibung

Eisen: Ferrochelatase und Chlorophyllbiosynthese

Fe ist Kofaktor der Ferrochelatase, die Fe²⁺ in Protoporphyrin IX einbaut → Häm (Chlorophyllvorstufe). Ohne ausreichend Fe stockt der gesamte Tetrapyrrol-Biosyntheseweg → keine Chlorophylsynthese möglich. Cockson (2019) und Llewellyn (2023) dokumentierten Fe-Mangel als intervenale Chlorose ausschließlich der jüngsten Blätter mit scharf abgegrenzten, grün bleibenden Blattadern — klassische Manifestation der Fe-Immobilität (Fe kann nicht aus Altblättern remobilisiert werden).

Fe-S-Cluster in Photosystem I (PSI), Komplex I, II, III der mitochondrialen Atmungskette sind Fe-abhängig. Bei Fe-Mangel bricht gleichzeitig Photosynthese und Respiration ein → Wachstumshemmung verstärkt Chlorose.

IRT1 als Transporter und Transceptor

IRT1 (Iron-Regulated Transporter 1) ist der primäre Fe²⁺-Aufnahmetransporter in Strategie-I-Pflanzen (Cannabis = Nicht-Gras). IRT1 hat breite Substratspezifität: unter Fe-Mangelkonditionen transportiert er Fe, Zn, Mn, Co und Cd (AtIRT1-Studie).

Dubeaux et al. (2018) zeigten, dass IRT1 zusätzlich als Transceptor fungiert: Er erkennt überschüssige Nicht-Eisen-Substrate (Zn, Mn, Co) und triggert seinen eigenen Abbau → Selbstregulation. Folge: Bei Fe-Mangel (IRT1 hochreguliert) → Akkumulation von Mn, Zn, Cu → sekundäre Imbalancen.

Internes Fe-Transport-Netzwerk: Nicotianamin (NA) als intrazellulärer Fe-Chelator; YSL-Transporter für Fe-NA-Transport zwischen Zellen. Für Kultivierung: Chelat-Fe (EDDHA bei pH >6,5; DTPA bei moderate pH) deutlich effektiver als anorganische Fe-Salze.

Mangan: Photosystem-II-OEC

Mn bildet das katalytische Zentrum des Photosystem-II-Sauerstoff-Evolving-Komplexes (OEC) — den Mn₄CaO₅-Cluster, der Wasseroxidation katalysiert → O₂-Produktion + Elektronen für die Elektronentransportkette. Mn-Mangel schädigt damit direkt die Lichtreaktion.

Mn-Mangelchlorose ist intervenal an jungen bis mittleren Blättern mit charakteristischem Mosaikmuster und nekrotischen Punkten — kontrastiert zur Fe-Chlorose (schärfere Adern-Abgrenzung, ausschließlich jüngste Blätter).

Mn-SOD (Mangan-Superoxid-Dismutase) in Mitochondrien ist Mn-abhängig → bei Mn-Mangel erhöhter oxidativer Stress.

Fe/Mn-Antagonismus bei alkalischem pH

pH Fe-Verfügbarkeit Mn-Verfügbarkeit Folge
5,5–6,2 Gut Gut Optimalbetrieb
6,2–6,5 Moderat Moderat Monitoring empfohlen
6,5–7,0 Niedrig Niedrig-Moderat Chelat-Fe einsetzen
>7,0 Sehr niedrig Niedrig Sofortkorrektur nötig

Fe-Löslichkeit sinkt ~100-fach pro pH-Einheit über 5,5. Bei alkalischem pH (pH >6,5) und hohem Ca-Gehalt wird auch Mn-Aufnahme supprimiert, da Ca an Fe/Mn-Aufnahmestellen konkurriert.

Biologische Auswirkungen

  • Fe-Mangel: Jüngste Blätter intervenal gelb (Adern grün); Photosynthese↓; Wachstum↓
  • Mn-Mangel: Junge–mittlere Blätter mosaikartig chlorotisch; nekrotische Flecken; PSII-Aktivität↓
  • IRT1-Überaktivierung (bei Fe-Mangel): Mn/Zn/Cu-Akkumulation → sekundäre Toxizitäten möglich
  • pH-Drift über 6,5: Kaskadendefizienzen für Fe, Mn, Zn, Cu gleichzeitig
  • Fe/Mn-Ratio: Optimal ~2:1; Überschuss eines supprimiert das andere

Anbau-Relevanz

  • pH täglich überwachen; pH 5,8–6,2 (Hydro) ist Priorität #1 für Fe/Mn-Verfügbarkeit
  • Chelat-Fe für alle Nährlösungen: EDDHA bei pH 6,0–7,5 (stabilster Chelat); DTPA bei pH 5,5–6,5
  • Fe-Chlorose zuerst prüfen → pH korrigieren, nicht pauschal Fe erhöhen
  • Fe:Mn-Verhältnis in Lösung ~2:1 anstreben; Fe-Überdüngung kann Mn-Chlorose maskieren
  • Organisches Substrat: Mn-Komplexierung durch Huminsäuren → erhöhter Mn-Bedarf

Verwandte Begriffe

  • mikronaehrstoff-interaktionen — IRT1-Breitspezifität, Antagonismen, pH-Verfügbarkeitskurven
  • ph-naehrstoffverfuegbarkeit — Lindsay-Schwab-Diagramm für Fe/Mn
  • mikronaehrstoff-mangel-diagnose — Fe vs. Mn vs. Mg Differenzialdiagnose
  • zink-bor — Zn/Cu-Konkurrenz an IRT1

Quellen

  • Cockson et al. (2019). Characterization of Nutrient Disorders of Cannabis sativa. MDPI Appl.Sci.
  • Llewellyn et al. (2023). Foliar Symptomology, Nutrient Content, Yield, and Secondary Metabolite Profiling. PMC9920212
  • Dubeaux et al. (2018). Metal Sensing by the IRT1 Transporter-Receptor. PubMed 29547723

Quellen

  • Cockson P et al. (2022): Optimisation of N, P, K for soilless cannabis. Agronomy 11:2652. PMID:34786507

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. PMID
  2. Cockson et al. 2019 — Charakterisierung von Nährstoffstörungen bei Cannabis sativa (MDPI 2076-3417/9/20/4432)
  3. Llewellyn et al. 2023 — Foliar Symptomology und Cannabinoid-Profile (PMC9920212)
  4. Dubeaux et al. 2018 — IRT1 als Transceptor für Nicht-Eisen-Metalle (PMC)

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