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Geschlechtsdifferenzierung

REVIEW Mechanismus Laienrelevanz: hoch

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Sexuelle Differenzierung Cannabis Sex Determination Cannabis Geschlechtsbestimmung

Kurzdefinition

Cannabis sativa ist eine diözische (zweihäusige) Pflanze, deren Geschlecht primär durch ein XY-ähnliches Chromosomensystem (CSX/CSY) genetisch determiniert wird — mit Ethylen und Gibberellin als modulierenden Hormonen, die durch Umweltreize beeinflusst werden können.

Wissenschaftliche Beschreibung

Chromosomales Geschlechtsbestimmungssystem

Cannabis besitzt 2n = 20 Chromosomen (9 autosomale Paare + 1 Geschlechtschromosomen-Paar):

  • CSX (X-Chromosom): Größer, enthält weiblichkeits-determinierende Gene
  • CSY (Y-Chromosom): Kleiner, degenerierter, enthält männlichkeits-determinierende Gene
  • XX → weiblich; XY → männlich (genetisch)

Jüngere Genomstudien (Cattani 2024, Laverty 2019) zeigen, dass das Y-Chromosom von Cannabis relativ jung evolviert ist (~13-28 Mya) und stark von repetitiven Elementen durchsetzt ist. Die Geschlechts-SDR (Sex-Determining Region) ist auf Chr 6 lokalisiert.

Hormonelle Modulation

Das genetisch bestimmte Geschlecht kann durch Pflanzenhormone moduliert werden:

Hormon Wirkung Mechanismus
Ethylen Feminisierend ERF-TF → Staminodien-Suppression
Gibberellin (GA3) Maskulinisierend DELLA-Abbau → Stamen-Initiation
Auxin Indirekt feminisierend Ethylen-Biosynthese-Induktion
STS / Ag⁺ Maskulinisierend Ethylenrezeptor-Blocker → weiblich→männlich

Präblütige Geschlechtsmerkmale (BBCH 15-17)

Vor Blüteinduktion sind Geschlechtsstipeln (präblütige Knospen) am 4.-6. Internodien-Knoten als kleine Auswüchse sichtbar: - Männlich: zwei kleine, zugespitzte Stipeln, oft früher sichtbar - Weiblich: zwei kleine Haare (Pistill-Ansätze) - Zuverlässigkeit: ~85-90 % mit geübtem Auge

Hermaphroditismus

Unter Stressbedingungen können genetisch weibliche Pflanzen Staminodien (männliche Blüten oder „Bananen") entwickeln: - Ursachen: Lichtlecks, Hitzestress >32 °C, mechanische Schäden, genetische Prädisposition - Mechanismus: Stresshormon-Kaskade (JA, ABA) → ektopische Ethylensignalstörung - Genetisch präsdisponiert: Viele kommerzielle Sorten durch Inzucht; senkt Hermaphroditismus-Schwelle

Anbau-Relevanz

  • Frühzeitige Geschlechtserkennung: An vegetativen Stipeln (Woche 4-6 veg) → spart Blütephase für männliche Entfernung
  • Genetisch weibliche Samen (feminisierte Samen): Praktisch alle xx, aber 0.1-1 % Herma-Risiko je nach Qualität
  • Herma-Vorbeugung: Stabile 12/12-Lichtzyklen, keine mechanischen Schäden, VPD 0.8-1.2 kPa
  • STS-Verwendung in Züchtung: Gezieltes Auslösen männlicher Blüten bei weiblichen Pflanzen für feminisierte Samenanlagen
  • Lichtlecks: Absolut vermeiden (> 0.2 fc während Nachtphase können Hermas auslösen)

Verwandte Begriffe

  • dioezie-monoezie — Grundform der Zweigeschlechtlichkeit bei Cannabis
  • csx-csy-chromosomen — Geschlechtschromosomen-Struktur
  • hermaphroditismus — Stressinduzierte Zwitterblüten
  • praebluetige-geschlechtserkennung — Früherkennung der Geschlechter
  • sts-feminisierung — STS-Technik zur Feminisierung
  • feminisierte-samen — Kommerzielle XX-Samen

Quellen

  • Cattani A et al. (2024): J Exp Bot. PMID:38315048
  • Laverty KU et al. (2019): Genome Res. PMID:30967588
  • Razumova OV et al. (2016): Russ J Genet. DOI:10.1134/S1022795416070103
  • Mohan Ram HY & Sett R (1982): TAG. DOI:10.1007/BF00264627

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Identification of sex-specific molecular markers in Cannabis sativa L. Russ J Genet (2016) DOI
  2. The sex determination chromosome system in Cannabis sativa. J Exp Bot (2024) DOI PMID
  3. Physical and Genetic Map of Cannabis sativa. Genome Res (2019) DOI PMID
  4. Induction of fertile male flowers in genetically female Cannabis sativa by silver nitrate. TAG (1982) DOI

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