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Klimagrenzwerte Cheatsheet

REVIEW Konzept Laienrelevanz: hoch

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Klimatabelle Cannabis Growroom Grenzwerte Klimaparameter Übersicht

Das Klimagrenzwerte Cheatsheet fasst alle zentralen Umweltparameter für den Indoor-Cannabisanbau in kompakter Tabellenform zusammen. Es deckt Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit, VPD, CO₂-Konzentration und Lichtintensität für alle Wachstumsphasen ab und benennt kritische Stressschwellen, ab denen irreversible Schäden entstehen können.

Wissenschaftliche Beschreibung

Cannabis ist eine C3-Pflanze mit engen Klimatoleranzfenstern. Jede Wachstumsphase — von der Keimung bis zur Reifung — stellt spezifische Anforderungen an Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht. Das Zusammenspiel dieser Parameter bestimmt die Effizienz der Photosynthese, die Transpirationsrate und letztlich den Ertrag sowie die Wirkstoffqualität. Ein einzelner Parameter allein ist selten aussagekräftig; entscheidend ist das Klimaprofil als Gesamtheit.

Temperatur: Grenzwerte und Optima

Temperatur steuert direkt die Enzymaktivität, den Gaswechsel an den Stomata und die Aufnahme von Nährstoffen über die Wurzel. Die folgende Tabelle gibt Tages- und Nachttemperaturen pro Phase an:

Phase Tagtemperatur Nachttemperatur Tag-Nacht-Delta
Keimung 22–25 °C 20–22 °C 3–5 °C
Sämling / Steckling 22–26 °C 18–22 °C 5–6 °C
Vegetativ 22–28 °C 18–22 °C 5–8 °C
Frühe Blüte 20–26 °C 16–20 °C 6–10 °C
Späte Blüte / Reifung 18–24 °C 14–18 °C 8–10 °C
Vegetativ mit CO₂ 26–30 °C 18–22 °C 8–10 °C

Wurzelzone: Erde/Kokos optimal 18–22 °C; Hydrokultur 18–21 °C. Abweichungen außerhalb von 15–25 °C (Erde) bzw. 16–24 °C (Hydro) verringern die Nährstoffaufnahme merklich.

Absolute Grenzen: Unter 10 °C sistiert der Stoffwechsel, Frostschäden ab 0 °C. Über 35 °C denaturieren hitzeempfindliche Enzyme; anhaltende Temperaturen über 30 °C führen zu Hitzestress, Blattrollungen und Terpenverlust.

Relative Luftfeuchtigkeit nach Phase

Die relative Luftfeuchtigkeit (rH%) beeinflusst die Transpirationsrate und damit die Nährstoff- und Wasserversorgung. In der Blüte ist sie gleichzeitig der wichtigste Faktor für das Botrytis-Risiko:

Phase rH%-Zielbereich Kritische Obergrenze
Keimung / Steckling 70–80 % > 85 % → Schimmel
Sämling 65–75 % > 80 %
Vegetativ 50–70 % > 75 %
Frühe Blüte 45–55 % > 60 %
Späte Blüte 35–45 % > 50 %
Reifung (letzte 1–2 Wochen) 30–40 % > 45 %

Untergrenze: Unter 30 % rH schließen die Spaltöffnungen, die Fotosynthese bricht ein und Trockenstress setzt ein. Im Growroom sollte die rH daher nie dauerhaft unter 30 % fallen.

VPD-Zielbereiche

Das Vapor Pressure Deficit (VPD, gemessen in kPa) ist die physikalisch präzisere Größe als rH% allein, weil es Temperatur und Luftfeuchtigkeit kombiniert und die tatsächliche Triebkraft der Transpiration beschreibt:

Phase VPD-Zielbereich
Keimung / Steckling 0,4–0,8 kPa
Sämling 0,6–0,9 kPa
Vegetativ 0,8–1,2 kPa
Frühe Blüte 1,0–1,3 kPa
Späte Blüte 1,3–1,5 kPa
Mit CO₂-Supplementation 1,2–1,6 kPa (tolerierbar)

Ein VPD unter 0,4 kPa lässt die Transpiration nahezu vollständig zum Erliegen kommen; über 1,6 kPa entsteht Transpirationsstress, da die Pflanze Wasser schneller verliert, als die Wurzeln nachliefern können.

CO₂-Konzentration und Lichtintensität

CO₂ ist der Kohlenstofflieferant der Fotosynthese. Indoor ist die atmosphärische Konzentration (~420 ppm) oft der limitierende Faktor. CO₂-Supplementation lohnt sich jedoch nur in Kombination mit ausreichend Licht:

CO₂-Level PPFD-Voraussetzung Effekt
400–500 ppm (Außenluft) ab ~300 µmol/m²/s Basis-Fotosynthese
800–1.000 ppm 600–900 µmol/m²/s Ertragsoptimierung
1.200–1.500 ppm > 900 µmol/m²/s Maximale Produktivität
bis 2.000 ppm > 1.200 µmol/m²/s Nur mit starker LED/HPS
> 2.000 ppm Kein weiterer Vorteil, Humanrisiko

PPFD-Richtwerte nach Phase:

Phase PPFD (µmol/m²/s) DLI (mol/m²/Tag, 18 h)
Sämling 100–300 6–12
Vegetativ 400–600 26–39
Blüte (12 h) 600–1.000 26–43
Blüte mit CO₂ 900–1.500 39–65

Faustregel: CO₂-Supplementation bringt keinen messbaren Vorteil, wenn das DLI unter 35 mol/m²/Tag liegt.

Nacht- vs. Tagwerte (DIF-Effekt)

DIF (Differenz zwischen Tag- und Nachttemperatur) beeinflusst das Streckungswachstum (Internodienlänge). Ein positiver DIF (Tag wärmer als Nacht) fördert Streckung und ist Standard. Ein negativer DIF (Nacht wärmer als Tag) kompaktiert die Pflanze, ist aber im Indoor-Grow schwer umzusetzen.

DIF-Typ Tag/Nacht-Verhältnis Wirkung
Positiv (Standard) +5 bis +10 °C tagsüber Normale Streckung
Gering positiv +2 bis +4 °C Kompakteres Wachstum
Neutral ± 0 °C Kein Streckungseffekt
Negativ Nacht > Tag Maximale Kompaktheit (selten genutzt)

In der Praxis wird die Nacht-Abkühlung in der Spätblüte gezielt eingesetzt, um die Terpensynthese anzuregen und Anthocyane (Purpurfärbung) zu aktivieren. Differenzen von 8–10 °C in der Reifungsphase sind eine etablierte Technik.

Stressschwellen und Irreversible Schäden

Parameter Warnschwelle Kritische Schwelle Irreversibler Schaden
Temperatur oben > 30 °C > 35 °C > 40 °C (Proteindenaturierung)
Temperatur unten < 15 °C < 10 °C < 0 °C (Frostschaden)
rH oben (Blüte) > 55 % > 65 % Botrytis-Infektion
rH unten < 35 % < 25 % Stomataschluss, Fotosynthese-Ausfall
VPD oben > 1,5 kPa > 1,8 kPa Welke, Transpirationsstress
VPD unten < 0,5 kPa < 0,3 kPa Transpirationsausfall
CO₂ < 300 ppm < 200 ppm Fotosynthese-Kompensationspunkt
Wurzeltemp. oben > 26 °C > 30 °C Pythium-Befall (Hydro)
Wurzeltemp. unten < 15 °C < 12 °C Nährstoffaufnahmesperre

Anbaupraxis-Relevanz

Für Indoor-Grower ist dieses Cheatsheet ein schnelles Referenzdokument, das alle relevanten Klimaparameter auf einen Blick liefert. Die praktische Anwendung folgt drei Grundsätzen:

1. Phasengerechtes Profil fahren. Die Klimasteuerung muss beim Wechsel von Vegetativ zu Blüte aktiv angepasst werden — insbesondere die Luftfeuchtigkeit ist schrittweise zu senken (ca. 5 % pro Woche), um dem wachsenden Schimmeldruck entgegenzuwirken. Automatisierte Controller (z. B. Inkbird, AC Infinity, Trolmaster) können Temperatur und Entfeuchtung zeitgesteuert regeln.

2. VPD als primäre Regelgröße. Anstatt Temperatur und rH% unabhängig voneinander zu optimieren, empfiehlt es sich, den VPD-Wert als Leitgröße zu verwenden. Liegt der VPD im Zielbereich, stimmt das Temperatur-Feuchte-Verhältnis automatisch. Günstige Hygrometer mit Logging-Funktion (z. B. SensorPush, Inkbird IBS-TH2) erlauben die lückenlose Dokumentation.

3. CO₂ nur mit ausreichend Licht einsetzen. CO₂-Supplementation ist kostspielig und erfordert ein dicht geschlossenes System. Ohne hochleistungsfähige LED oder HPS (> 600 W/m²) ist der Effekt vernachlässigbar. Gleichzeitig steigen mit mehr CO₂ und Licht auch die Temperaturoptima — der Grow-Raum muss dann aktiv stärker gekühlt werden.

Häufige Fehler: - Luftfeuchtigkeit in der Spätblüte nicht reduziert → Botrytis-Totalverlust - CO₂-Supplementation ohne ausreichend Licht → kein Mehrertrag - Negative DIF durch zu warme Nächte → übermäßige Streckung, schwache Struktur - Wurzelzone überhitzt (> 26 °C in Hydro) → Pythium-Befall - Tagestemperaturen über 30 °C dauerhaft → Terpinverlust, Ertragsminderung

Verwandte Begriffe

  • vpd-berechnung — Berechnungsformel und VPD-Tabellen für alle Temperatur-rH-Kombinationen
  • temperatur-luftfeuchte-kopplung — Physikalische Grundlagen des Zusammenspiels beider Parameter
  • co2-anreicherung — Techniken, Geräte und Dosierung der CO₂-Supplementation
  • lichtzyklus-18-6-vs-24-0 — Einfluss des Lichtzyklus auf Temperatur und DIF im Growroom

Quellen

Die Zahlenwerte in diesem Eintrag basieren auf einer Synthese aus mehreren Anbau-Leitfäden und wissenschaftlich fundierten Grow-Ressourcen:

  • DryGair: Cannabis Climate Control Guide (Indoor), 2024 — https://drygair.com/de/blog-de/cannabis-klima-kontroll-leitfaden-im-innenbereich/
  • grow-duenger24.de: VPD-Tabelle — Optimale Werte für deinen Grow, 2024 — https://grow-duenger24.de/blog/vpd-tabelle-optimale-werte-fuer-deinen-grow
  • MarsHydro: Welche Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist ideal für ein Growzelt?, 2024 — https://marshydro.eu/blog/welche-temperatur-und-luftfeuchtigkeit-ist-ideal-fur-ein-growzelt/
  • Pestik: Klimakontrolle im Growbox — Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂, 2024 — https://www.pestik.cz/de/a/kontrola-klimatu-growbox-teplota-vlhkost-co2
  • SensoScientific: Temperaturen und medizinischer Cannabisanbau, 2023 — https://www.sensoscientific.com/de/temperaturen-und-medizinischer-cannabisanbau-vom-setzling-bis-zur-ernte/

Quellen

  • https://doi.org/10.1139/cjb-2023-0056
  • Saloner & Bernstein (2024): Environmental stress responses in cannabis. Can. J. Bot. doi:10.1139/cjb-2023-0056

Verwandte Begriffe

Hinweis: Die Inhalte dienen ausschließlich der sachlichen Bildung und Information. Keine Werbung für Cannabis i.S.d. §6 KCanG.