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Licht-Etiolement

REVIEW Mechanismus Laienrelevanz: mittel

Stand: 2026-06-19

Synonyme: Etiolierung Etiolation Lichtmangel-Streckung Skotomorphogenese

Kurzdefinition

Etiolierung (Licht-Etiolement) ist das durch Lichtmangel induzierte maximale Streckungswachstum des Keimlings — ein evolutionärer Mechanismus zum Durchdringen von Substrat oder Blattdächern — der bei Cannabis-Sämlingen zu langen, instabilen, chlorophyllarmen Stängeln führt und durch korrekte Beleuchtung von Beginn an verhindert wird.

Wissenschaftliche Beschreibung

Skotomorphogenese vs. Photomorphogenese

Pflanzenentwicklung verläuft in zwei Modi:

Modus Lichtzustand Phänotyp Schlüssel-Regulatoren
Skotomorphogenese Dunkel/Lichtmangel Etioliert: lang, blass, Haken COP1/SPA aktiv, PIF frei
Photomorphogenese Ausreichend Licht Normal: kompakt, grün, entfaltet COP1 gehemmt, HY5 aktiv

Der Wechsel wird durch COP1 (Constitutive Photomorphogenesis 1) gesteuert: - Im Dunkeln: COP1 ist aktiv → ubiquitiniert HY5 (Transkriptionsfaktor für Lichtresponse) → HY5 abgebaut → Etiolement - Im Licht: Phytochrome/Cryptochrome → COP1-Export aus Zellkern → HY5 stabil → Photomorphogenese

Auxin und GA beim Etiolement

Zwei Hormone treiben die Elongation:

Gibberelline (GA): - PIF4/PIF5 aktivieren GA20ox/GA3ox → GA-Synthese maximal - GA degradiert DELLA-Proteine → Expansine freigesetzt → Zellwand-Lockerung → Elongation - GA-Rückkopplung: elongiertes Gewebe produziert GA2ox → GA-Deaktivierung (Selbstlimitierung)

Auxin (IAA): - In etiolierten Hypokotylen: hohe IAA-Konzentration durch PIN-Aktivität - IAA aktiviert Expansine (SAUR-Gene) → Zellwandstreckung - IAA-Gradient erklärt asymmetrische Elongation (Phototropismus-Grundlage)

Etiolement-Indikatoren bei Cannabis-Sämlingen

Merkmal Normal Etioliert
Hypokotyllänge 2-4 cm >8 cm
Stängeldicke 3-5 mm bei BBCH 13 <2 mm
Blattfarbe Hellgrün Gelblich-weiß
Internodienlänge 1. Knoten 1-2 cm 4-10 cm
Mechanische Stabilität Normal Kippt bei leichtem Luftzug

Reversibilität und Langzeitfolgen

  • Vollständig reversibel innerhalb 3-7 Tage bei rechtzeitiger Lichtkorrektur
  • Starkes Etiolement (>2 Wochen) kann strukturelle Schwächen im Sklerenchym hinterlassen
  • Stauching: Keimlinge, die nach starker Etiolierung beleuchtet werden, zeigen kurze, dicke Internodien als Kompensation

Anbau-Relevanz

  • Keimung: Sobald Kotyledonen den Boden verlassen → sofort maximales Licht (500-800 PPFD); Verzögerungen produzieren etiolierte Stecklinge
  • Inkubator-Fehler: Zu große Inkubatoren oder zu schwache Lampen → Hauptursache für Etiolement bei Sämlingen
  • Höhenanpassung: Lampe in den ersten Tagen nah an Keimlinge (10-30 cm je nach Typ) — etiolierte Strecke kann nicht rückgängig gemacht werden
  • Stecklings-Etiolement: Stecklinge in Bewurzelungsphase bei reduziertem Licht (200-300 PPFD) zeigen leichtes physiologisches Etiolement → akzeptabel, da GA-basierte Streckung Bestandteil des Bewurzelungsprozesses
  • Stretch-Management: Frühe Blütephase-Streckung ist kein klassisches Etiolement (R:FR-basiert, nicht COP1-PIF-Weg), obwohl morphologisch ähnlich

Verwandte Begriffe

  • staengelanatomie — Auswirkungen auf Stängelstruktur
  • shade-avoidance — verwandter Lichtmangel-Response über R:FR
  • gibberelline — Hauptstreckungshormon beim Etiolement
  • phytochrom-pigment — Lichtsensor (PhyA für sehr schwaches Licht)

Quellen

  • Jaillais Y & Chory J (2010): Nat Struct Mol Biol. DOI:10.1038/nsmb.1909
  • Lau OS & Deng XW (2010): Curr Opin Plant Biol. DOI:10.1016/j.pbi.2009.11.002
  • Arsovski AA et al. (2012): Curr Biol. DOI:10.1016/j.cub.2012.01.009

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. PMID
  2. Unraveling the paradoxes of plant hormone signaling integration. Nat Struct Mol Biol (2010) DOI
  3. Plant hormone signaling lightens up: integrators of light and hormones. Curr Opin Plant Biol (2010) DOI
  4. Photomorphogenesis. Curr Biol (2012) DOI

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