Monster Cropping (Klone aus Blütephase)
Kurzdefinition
Monster Cropping nimmt Stecklinge in Woche 2–4 der Blüte und re-vegetiert sie unter 18/6. Resultat: buschigeres Wachstum mit mehr Seitentrieben als Standard-Klone → potenziell höherer Ertrag bei nachfolgender Blüte. Nachteil: 2–4 Wochen Re-Veg + normale Veg-Zeit = erheblicher Zeitverlust.
Wissenschaftliche Beschreibung
Warum Monster-Cropped Klone buschiger wachsen
Standard-Veg-Steckling (aus vegetativer Phase): - Meristeme im vegetativen Modus - Normales Auxin/CK-Verhältnis - Standard Apikaldominanz
Monster-Cropped Steckling (von blühender Pflanze Woche 2–4): - Meristeme im Übergang zwischen vegetativ und blühend - Multiple dormante vegetative Knospen neben reproduktiven Strukturen - Re-Veg unter 18/6 → simultane Aktivierung mehrerer Knospen (ohne strikte Apikaldominanz) → Buschigeres, stärker verzweigtes Wachstum
Mechanismus: Blühende Pflanze hat bereits das Auxin/CK-Verhältnis für reproduktive Entwicklung verschoben. Der Klon bringt diese veränderte Hormonbalance mit → Übergangsphase reaktiviert viele Knospen gleichzeitig ohne klare Apikaldominanz-Hierarchie.
Optimales Schnittfenster und Genetik-Kompatibilität
Bestes Fenster: Woche 2–4 der Blüte (BBCH 55–63):
- Zu früh (
Genetik-Unterschiede: | Genotyp | Re-Veg-Geschwindigkeit | Monster-Cropping-Eignung | |---|---|---| | Indica-dominant | Schneller | Besser (starkes Wurzelsystem) | | Sativa-dominant | Langsamer | Möglich, aber mehr Zeit | | Autoflower | Nicht anwendbar | CCT-Truncation → keine Re-Veg möglich |
Zeitplanung Monster Cropping
| Phase | Dauer | Gesamt |
|---|---|---|
| Re-Veg (deformiert → normal) | 2–4 Wochen | — |
| Vegetationsphase (normal) | 3–6 Wochen | — |
| Blütephase | 7–10 Wochen | — |
| Gesamt ab Schnitt | 12–20 Wochen | vs. 10–16 Wochen bei Standard-Klon |
Monster Cropping = ~4–6 Wochen länger als Standard-Klon-Produktion.
Anwendungsfall: Phänotyp-Erhalt ohne Mutterpflanze
Szenario: Außergewöhnlicher Phänotyp entdeckt (optimale Potenz, Aroma), keine Mutterpflanze gehalten → Monster Cropping als Rettung: 1. Steckling in Woche 2–4 nehmen 2. 18/6 Re-Veg → neue Mutterpflanze aufbauen 3. Genetische Linie erhalten
Alternativer Anwendungsfall: "Klon-Refresh" — wenn Mutterpflanzen veraltet sind → Monster-Crop von einer der letzten Klone = bringt neue Energie in die Linie (aber epigenetische Drift bleibt).
Anbau-Relevanz
- Nicht als Routine-Propagation: Zeit- und Ressourcenaufwand höher als Standard-Klonierung; nur für spezielle Phänotyp-Erhaltungszwecke.
- Hohe Luftfeuchtigkeit obligatorisch: Monster-Cropped Klone haben schwächeres Wurzelsystem als Standard-Klone → RH 95%+ für 1–2 Wochen länger halten.
- HLVd-Test vor Monster-Crop: Klon von infizierter Pflanze trägt HLVd → 3 Wochen Quarantäne + PCR nach Re-Veg.
Verwandte Begriffe
- re-vegetation — Grundmechanismus der Re-Vegetation
- mutterpflanzen-management — Standard-Alternative ohne Re-Veg-Zeitverlust
- genetik-drift-klone — Epigenetischer Drift bei Monster-Cropped Klonen
Quellen
- GrowWeedEasy: Monstercropping Cannabis Tutorial (Woche 2–4 Fenster, Morphologie)
- Humboldt Seed Company: Monster Cropping — Maximize Yields with Advanced Training
- Weed Seed Shop: Monster Cropping and Re-Vegging — Pros and Cons
Quellen
- https://doi.org/10.3390/horticulturae8020107
- Rodriguez-Morrison V et al. (2022): Cannabis training techniques. Horticulturae 8(2):107. doi:10.3390/horticulturae8020107