Re-Vegetation Cannabis (Phytochrom-Umkehr, Morphologie)
Kurzdefinition
Re-Veg: Umschalten von 12/12 → 18/6 → Pfr re-etabliert → Vegetationsphase kehrt zurück. 4–6 Wochen bis neue vegetative Wachstumsmuster; anfänglich Single-finger-Blätter ("Monster"-Morphologie). Epigenetische Geschichte bleibt erhalten — Re-Veg setzt biologische Uhr nicht zurück.
Wissenschaftliche Beschreibung
Phytochrom-Mechanismus der Re-Vegetation
Blühende Pflanze (12/12)
↓ Umschalten auf 18/6
→ 18h Licht → Pfr wieder dominant (Pfr-zu-Pr-Rückreversion zu kurz bei nur 6h Dunkel)
→ CsPRR37 re-aktiviert (FT-Repressor zurück)
→ FT/HD3A/VRN3 (Florigen) reprimiert
→ Blüten-Meristem-Commitment rückgängig gemacht
→ Neue vegetative Meristeme aus Achselknospen (4–6 Wochen)
Zeitlicher Verlauf und Morphologie
| Zeitpunkt | Ereignis | Blattmorphologie |
|---|---|---|
| Woche 0 | 18/6 einleiten | Blüten-Morphologie erhalten |
| Woche 1–2 | Hormonelle Reorganisation | Blüten stagnieren; Knospen sichtbar |
| Woche 2–4 | Neue vegetative Sprosse | Single-finger-Blätter ("Monster") |
| Woche 4–6 | Vollständige Re-Vegetation | 3-zählig → 5-zählig → 7-zählig |
| Woche 6+ | Normale vegetative Wachstumsphase | 7–9-zählige Blätter |
Hormonelle Reorganisation
Blüten-dominante Phytohormone (vor Re-Veg): Hohe Ethylen-Produktion (Fruchtreife-Signal), sinkende Gibberelline, geänderte Auxin/CK-Balance für reproduktive Entwicklung.
Vegetativ-dominante Phytohormone (Re-Veg-Ziel): Hohe Auxin/CK für Trieb-Wachstum, Gibberelline für Stängel-Elongation, niedrigere Ethylen-Basislinie.
Übergangsphase = hormonelles Chaos → deformierte Blätter ("Monster"-Morphologie) als sichtbares Zeichen der Phasen-Reorganisation.
Stressfolgen der Re-Vegetation
- Wachstumsunterbrechung: 4–6 Wochen Produktionspause
- Nährstoffstress: Blühende Pflanze oft mit N-armer Ernährungs-Geschichte (Spätblüte-Düngung) → N-Mangel für Re-Veg; N-reiche Gabe (Fischemulsion, Kompost) beschleunigt Re-Veg
- Krankheits-/Schädlingsanfälligkeit: Immunabwehr temporär geschwächt im Übergang
- Epigenetische Kontinuität: Re-Veg setzt epigenetische Uhr nicht zurück → Somaklonale Variation und Alterungs-Effekte bleiben bestehen
Praktische Anwendungen
Wann Re-Veg sinnvoll: - Außergewöhnlicher Phänotyp soll erhalten werden (keine Stecklinge genommen) - Teste-Ernte (eine Blüte ausprobieren, dann Re-Veg für Vollproduktion) - Monster-Cropping (Stecklinge von blühenden Pflanzen für buschigeresWachstum)
Wann Re-Veg vermeiden: - HLVd-Infektions-Verdacht → Vernichtung statt Re-Veg - Lange, produktive Mutterpflanzen-Karriere geplant → Stecklinge aus Veg bevorzugen (keine Re-Veg-Erschöpfung)
Anbau-Relevanz
- N-reiche Re-Veg-Düngung: Fischemulsion, Wurmhumus-Toppdressing in den ersten 2–4 Wochen.
- Umstellungszeit einplanen: Gesamt-Produktionsunterbrechung 4–8 Wochen einkalkulieren.
- Mindestblüten-Dauer vor Re-Veg: Optimal nach Woche 2–4 der Blüte → Monster-Cropping-Fenster (s. monster-cropping).
Verwandte Begriffe
- monster-cropping — Re-Veg als Klon-Quelle von Blütepflanzen
- mutterpflanzen-management — Alternativer Ansatz ohne Re-Veg
- blueteinduktion-12-12 — Umgekehrter Mechanismus (Blüteinduktion)
Quellen
- Peterswald et al. 2025 PMC12092679: Far-Red Light and Phytochrome Modulation in Medicinal Cannabis (Pfr/Pr)
- Paradise Seeds: How to Re-Veg Cannabis Plants — Complete Guide (Morphologie)
- GrowWeedEasy: Monstercropping Cannabis Tutorial (Re-Veg-Anwendung)
Quellen
- https://doi.org/10.3390/horticulturae8020107
- Rodriguez-Morrison V et al. (2022): Cannabis training techniques. Horticulturae 8(2):107. doi:10.3390/horticulturae8020107