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THCP

REVIEW Substanz Laienrelevanz: mittel Evidenz

Stand: 2026-06-20

Synonyme: Tetrahydrocannabiphorol THCP

THCP (Tetrahydrocannabiphorol)

Kurzdefinition

THCP ist ein Homolog von Δ9-Tetrahydrocannabinol mit einer verlängerten C7-Alkyl-Seitenkette (statt C5 wie bei THC). Die erweiterte Seitenkette führt zu einer dramatisch erhöhten CB1-Rezeptor-Affinität (ca. 30-fach höher als Δ9-THC). THCP ist nicht natürlich vorkommend, wird aber in Spuren in einigen Cannabissorten gefunden und kann semisynthetisch hergestellt werden.

Wissenschaftliche Beschreibung

Struktur und Entdeckung

  • Erstisolation: Citti et al. 2019 aus italienischer Cannabissorte FM2 (J. Nat. Prod., PMID:31900473)
  • Struktur: C7-Alkylseitenkette anstatt C5 (Strukturhomolog)
  • Vorkommen: Trace-Mengen (<0,1 %) in einigen Kultivaren; natürliche Relevanz minimal

CB1-Rezeptor-Bindung

  • Dissociationskonstante (Ki): ~1,2 nM
  • Vergleich zu Δ9-THC: Etwa 30-fach höhere Affinität (Δ9-THC Ki: ~33 nM in derselben Assay)
  • CB2-Affinität: Ebenfalls erhöht im Vergleich zu THC
  • Mechanismus: Die verlängerte C7-Kette passt tiefer in die hydrophobe Tasche des CB1-Rezeptors → Erklärung für Ultra-Hochaffinität

Psychoaktive Potenz

  • Erwartete Potenz: Erheblich höher als Δ9-THC aufgrund der 30-fach höheren CB1-Affinität
  • In-vivo-Bestätigung: Maus-Tetrad-Assays (Standard-Psychoaktivitätstests) zeigten THC-ähnliche Effekte bei deutlich niedrigeren Dosen als Δ9-THC
  • Dosierungsrisiko: Die extreme Potenz macht eine genaue Dosierung kritisch; Überdosierungsrisiko ist erhöht

Synthetische Herstellung

THCP wird semisynthetisch durch chemische Modifikation von THC oder durch Synthese aus Cannabigerol-Derivaten (CBGA) hergestellt. Die Marktproduktion erfolgt hauptsächlich über regulatorische Lücken im Zusammenhang mit Hanf-CBD-Legalisierung.

Metabolismus

Metabolisierungswege sind nicht vollständig charakterisiert; es wird vermutet, dass ähnliche Oxidations- und Konjugationsprozesse wie bei THC ablaufen, aber mit unbekannten pharmakologischen Folgen.

Sicherheit & Regulierung

Toxikologische Bewertung

  • Humandaten: Keine klinischen Studien; kein Sicherheitsprofil in Menschen etabliert
  • Tierdaten: Begrenzte In-vitro- und In-vivo-Tierstudien; CB1-Bindungsbestätigungen vorhanden
  • Kritisches Risiko: Extreme Potenz + fehlende Humandaten = hohes Unbekannten-Risiko
  • Langzeitfolgen: Völlig unbekannt; akute Toxizität nicht systematisch untersucht

Regulierung und rechtlicher Status (2024/2025)

  • USA: Typischerweise unter THC-Regulierungen oder „Novel Psychoactive Substances"-Rahmen
  • EU: Potenziell NpSG-reguliert (Neue psychoaktive Stoffe); Analogiebestimmungen können gelten
  • Deutschland: Status variiert; kann unter NPSG fallen oder explizit verboten sein
  • Internationale Regulierung: Wachsendes Bewusstsein; Behörden klassifizieren THCP zunehmend

Marktrisiken

  • Keine etablierte analytische Prüfungsmethodik in regulatorischen Rahmen
  • Extreme Potenz führt zu erhöhtem Überdosierungsrisiko bei Verbrauchern
  • Mögliche Verunreinigungen durch Syntheseprozesse (Katalysatoren, Lösungsmittel)
  • Marktwerbung als „stärker als THC" zieht Nutzer mit hohem Risiko-Profil an

Verwandte Begriffe

  • Δ9-THC: Natürliches Strukturhomolog mit niedrigerer Affinität
  • HHC: Anderes semisynthetisches Derivat mit anderer Strukturmodifikation
  • Cannabinoid-Homologie: Konzept der seitenketten-verlängerten Cannabinoide
  • Semisynthetische Cannabinoide: Übergeordnete Kategorie
  • CB1-Rezeptor: Primäres Zielprotein für psychoaktive Effekte
  • Cannabinoid-Isomerie: Struktur-Aktivitäts-Beziehungen in Cannabinoiden

Quellen

  • Citti C, Linciano P, Russo F, et al. (2019). A novel phytocannabinoid isolated from Cannabis sativa L. with an in vivo cannabimimetic activity higher than Δ9-tetrahydrocannabinol: THCP. J Nat Prod. PMID:31900473
  • Citti C, Pacchetti B, Vandelli MA, et al. (2020). Cannabinoid Profile of the European Cannabis sativa L. Cultivar "Carmagnola" and Its Flower Extracts. J Nat Prod.

Verwandte Begriffe

Evidenz-Hinweis: Die hier zitierten Studien und Forschungsergebnisse geben den aktuellen Stand der Wissenschaft wieder. Einzelne Studien belegen keine allgemeingültigen Aussagen. Die Qualität und Reproduzierbarkeit kann variieren.