Kurzdefinition
Chemotyp-I-Pflanzen sind BT/BT-homozygot am bt-bd-locus und produzieren überwiegend THCA durch ausschließliche thcas-Aktivität. Das THC:CBD-Verhältnis beträgt ≥ 10:1.
Wissenschaftliche Beschreibung
Chemisches Profil
- THCA: 15–30 % Trockengewicht (bis 35 % in Hochleistungssorten)
- Gesamt-THC-Berechnung: THC + 0,877 × THCA
- CBDA/CBD: typisch <1 %
- THCV: in manchen afrikanischen Landrassen (propyl-Cannabinoid, ALT-Locus Chr 7)
Terpenprofil als Sortencharakteristikum
| Terpen | Leitsorte | Anmerkung |
|---|---|---|
| Myrcen | OG Kush, Skunk | Erdige, hopfenartige Note; sedativer Effekt |
| Linalool | Haze-Familie | Blumig; Lavendel-Monoterpen |
| β-Caryophyllen | Ubiquitär | Einziger Terpen mit CB2-Agonismus (Gertsch 2008) |
Achtung: "Sativa"- und "Indica"-Labels korrelieren nur schwach mit der genetischen Struktur (Sawler 2015: r² = 0,36). Chemotyp I umfasst sowohl "Sativa"- als auch "Indica"-Phänotypen.
Ökologische Funktion
Stack 2023 (experimenteller Nachweis): Cannabinoide sind Herbivoren-Abwehrstoffe. Chemotyp-I-Pflanzen zeigen erhöhte Abwehr gegenüber Insektenfraß verglichen mit Chemotyp-III-Pflanzen — dies erklärt, warum hohe THCA-Gehalte unter evolutivem Selektionsdruck entstanden.
Rechtliches
Deutsche CanG (1. April 2024): Besitz von bis zu 50 g Haushalt/25 g öffentlich für Erwachsene erlaubt. Chemotyp-I-Sorten für Eigenanbau ≤ 3 Pflanzen.
Anbau-Relevanz
- Ernte bei milchigen Trichomen (BBCH 61–65): Maximaler THC-Gehalt
- Amber-Trichome: THCA-Abbau zu CBN → Qualitätsverlust
- Umweltvariabilität: H² = 0,84–0,96 für THC; Umwelt erklärt 4–16 % der Variation → selbe Sorte in verschiedenen Umgebungen: ±2–8 % THC