Kurzdefinition
Chemotyp-II-Pflanzen sind BT/BD-heterozygot — sie tragen sowohl ein THCAS-Allel (BT) als auch ein CBDAS-Allel (BD) und produzieren deshalb gleichzeitig THC und CBD. Das Referenzgenom Jamaican Lion (Lynch 2025) ist ein Chemotyp-II-Akzession (9 % THC, 13 % CBD).
Wissenschaftliche Beschreibung
Genetische Besonderheit
Das BT/BD-Heterozygotenprinzip bedeutet: - In F1 aus BT/BT × BD/BD: 100 % der Nachkommen sind BT/BD → zuverlässig reproduzierbar - F1 ist die einzige sichere Produktionsmethode für konsistente Chemotyp-II-Profile - In F2 segregiert 1:2:1 → Chemotyp-II-F2-Sorten sind inhomogen
CBGA-Aufteilung
Beide Synthasen konkurrieren um CBGA: - Verhältnis THC:CBD wird durch relative Enzymkinetik + CNV beider Allele bestimmt - Ratio ist genetisch fixiert pro Genotyp, variiert aber im absoluten Gehalt durch Umwelt (±2–8 %) - Ein "1:1-Verhältnis" ist Resultat von Gleichgewicht, nicht von Regulation
Therapeutische Relevanz (Entourage-Effekt)
Russo 2011: CBD moduliert die Wirkung von THC durch Modulation von CB1-Rezeptoren und FAAH-Inhibition (Entourage-Effekt). Chemotyp-II-Produkte sind daher für medizinische Anwendungen interessant, bei denen eine ausgewogene THC:CBD-Wirkung gewünscht ist.
Anbau-Relevanz
- F1-Hybriden (BT/BT ♀ × BD/BD ♂ oder umgekehrt) sind der einzige zuverlässige Weg zu homogenen Chemotyp-II-Beständen
- S1/F2-Sorten aus Chemotyp-II-Pflanzen segregieren in alle drei Chemotypen → unbrauchbar für gleichmäßige Produktion
- MAS-Marker B1080 (BD) + B1192 (BT) können Heterozygotie bestätigen